Die Westpreußen

WPDas seit dem 6./7. Jahrhundert von den slawischen Pomoranen besiedelte Herzogtum Pommerellen westlich der unteren Weichsel löste sich im 11. Jahrhundert von Pommern und geriet zeitweise unter polnische Herrschaft. Östlich der Weichsel siedelten seit dem Wegzug der Germanen die baltischen Prußen (siehe Ostpreußen).

Die deutsche Besiedlung des späteren Westpreußen mit Pommerellen um Danzig als Hauptteil und mit Pomesanien und dem Kulmerland östlich der Weichsel begann im wesentlichen ebenso wie die Ostpreußens (siehe dort) mit der Eroberung und Missionierung durch den Deutschen Orden zu Beginn des 13. (Kulmerland) bzw 14. Jahrhunderts (Pommerellen). Nach dem Aussterben der pomoranischen Samboriden-Herzöge von Pommerellen 1295 und Auseinandersetzungen mit Polen, Pommern und Brandenburg setzte der Orden 1309 seine Landesherrschaft auch links der Weichsel durch. Trotz Gründung zahlreicher Städte wie Kulm, Marienwerder und Thorn (deutsches „kulmisches“ Stadtrecht 1233), Elbing (1246), Marienburg (um 1280), Graudenz (1291), Bromberg (1346), Preußisch-Stargard (1348) usw. verhinderte insbesondere die Abtretung Pommerellens, des Kulmerlands und des Ermlands (siehe Ostpreußen) durch den Deutschen Orden an die polnische Krone 1466, daß das Gebiet so vollständig eingedeutscht wurde wie die benachbarten Länder Pommern oder Ostpreußen. Auch die Reformation setzte sich im 16. Jahrhundert nur teilweise durch, was die polnische Assimilation des katholisch gebliebenen deutschen Bevölkerungsteils begünstigte.

1569 wurde das Land von Polen durch einseitige Erklärung annektiert, doch bewahrten die großen deutschen Städte wie Danzig, Thorn oder Bromberg weitgehend ihre Selbständigkeit. 1772 kam der größte Teil des Landes durch die I. Polnische Teilung an Preußen, 1793 durch die II. Teilung auch der ganze Rest mit Danzig und Thorn. Erst jetzt entstand für das bisherige „Königliche (polnische) Preußen“, also für Pommerellen, Pomesanien und das Kulmerland die Bezeichnung Westpreußen. Danzig (siehe dort) ist 1807-13 auf französischen Druck schein-selbständige „Freie Stadt“.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Pommerellen ebenso wie Posen (siehe Weichsel-Warthe) das Zentrum der polnischen Nationalbewegung in Preußen/ Deutschland. Die -überwiegend ländlichen- Wahlkreise Danzig-Neustadt, Danzig-Berent und Marienwerder-Konitz wählten von 1867 bis 1912 ununterbrochen ausschließlich, die Wahlkreise Rosenberg, Graudenz, Thorn und Schwetz wiederholt polnische -zumeist adlige- Abgeordnete in den Deutschen Reichstag.

Bei der Bevölkerungszählung 1910 gaben in der preußischen Provinz Westpreußen (25.500 qkm, 1,7 Millionen Einwohner) als Muttersprache an: 65 Prozent Deutsch, 28 Prozent Polnisch, sieben Prozent Kaschubisch. Die Kaschuben sind als unmittelbare Nachfahren der slawischen -aber nicht polnischen- Pomoranen anzusehen.

Im Januar 1920 wurde die Provinz infolge des Versailler Vertrages viergeteilt: der größte Teil Pommerellens und das Kulmerland (16.000 qkm), der sogenannte „Korridor“, fielen ebenso wie der Großteil Posens ohne Befragung der Bevölkerung an Polen, ein schmaler Streifen im Westen blieb bei Deutschland und kam 1938 zur Provinz Pommern, der Osten kam als Regierungsbezirk „Westpreußen“/Marienwerder (2.400 qkm) zur Provinz Ostpreußen, Danzig mit Umland (1.900 qkm) wurde „Freie Stadt“ unter dem Mandat des Völkerbunds.

Im Regierungsbezirk Westpreußen/ Marienwerder stimmten im Juli 1920 92,4 Prozent der stimmberechtigten Bevölkerung für den Verbleib bei Preußen und Deutschland, nur 7,6 Prozent für den Anschluß an Polen.

In dem an Polen gefallenen Teil Pommerellens und im Kulmerland hatten 1910 als Muttersprache angegeben: 433.000 Polnisch (45 Prozent), 412.000 Deutsch (43 Prozent), 105.000 Kaschubisch (elf Prozent). 15.000 hatten sich als zweisprachig ausgewiesen. Durch rigide Enteignungsmaßnahmen, erzwungene Abwanderung und zahlreiche bürokratische Schikanen wurden in den 20er Jahren hunderttausende Deutsche aus dem Land verdrängt. Die deutsche Bevölkerung des Gebiets der Woiwodschaft Pommerellen ging von 421.000 (1910; 42,5 Prozent) auf 176.000 (1921) und schließlich auf 105.000 (1931; 10 Prozent) zurück, die des Gebiets der Woiwodschaft Bromberg/ Bydgoszcz (mit dem Norden der ehemaligen Provinz Posen) von 316.000 (1910; 45,2 Prozent) auf 162.000 (1921), dann auf 96.000 (zehn Prozent) zurück. 1928 wurden vier Deutsche aus den Woiwodschaften Pommerellen und Bromberg in den polnischen Sejm gewählt.

Nach Kriegsbeginn fielen im September 1939 5-6.000 deutsche Zivilisten im polnischen Pommerellen und in der Woiwodschaft Bromberg polnischen Pogromen zum Opfer („Bromberger Blutsonntag“).

Nach der deutschen Annexion und der Bildung des „Reichsgaus“ Danzig-Westpreußen (26.000 qkm mit Bromberg und dem Netze-Distrikt) 1939 wurde der vormals polnische Teil Westpreußens zu einem der Hauptansiedlungsgebiete Deutscher aus den an die Sowjetunion gefallenen Gebieten: Über 40.000 Deutsche aus Bessarabien und 6.000 Deutsch-Balten fanden hier 1939/40 vorübergehend Bleibe, bevor sie mit der gesamten deutschen Bevölkerung 1945 flüchteten oder vertrieben wurden.

Geht man davon aus, daß die Deutschen aus dem 1920 an Polen gefallenen Teil Westpreußens und der Woiwodschaft Bromberg/ Bydgoszcz ebenso hohe Kriegs- und Nachkriegsverluste hatten wie die volksdeutsche Bevölkerung der II. Polnischen Republik insgesamt, ist anzunehmen, daß etwa 15.000 im Krieg als deutsche -zum geringen Teil 1939 auch als polnische – Soldaten gefallen und etwa 30.000 durch sowjetische oder polnische Exzeßtaten, Mord, Totschlag, in Lagern wie Potulitz und Graudenz, während oder nach der Deportation in die Sowjetunion (insgesamt aus Vorkriegs-Polen über 100.000) oder bei der Vertreibung gewaltsam ums Leben gekommen sind. Diese Zahlen enthalten nicht die umgekommenen Danziger (siehe dort) und den Regierungsbezirk Marienwerder. Von den als „repolonisierbar“ zurückgehaltenen Kaschuben sind in den folgenden Jahrzehnten -polnischer Bevormundung und Gängelei überdrüssig- die meisten nach Westdeutschland ausgesiedelt.

Die Westpreußen aus Pommerellen und aus dem früheren ostpreußischen Regierungsbezirk Marienwerder gründeten im April 1949 ihre Landsmannschaft, über die 1960 der Landschaftsverband Westfalen-Lippe die Patenschaft übernahm. Seit 1963 hat die Landsmannschaft ihren Sitz in Münster.

6 Responses to Die Westpreußen

  1. Silvia Bruines says:

    Hallo kann mir irdendjemand weiterhelfen?
    Mein Großvater stammt vom Gut Romanshof.Bisherige Suche vergebensKonnte Dank Nachforschungen einige Daten finden.mein Großvater wurde dort geboren.vielen Dank für Infos.
    mfg
    Silvia Bruines

  2. Lieselotte Reinhold says:

    Wir suchen die Herkunft von Heinrich Reinhold,der 1773 nach Tiegenort kam.
    Er starb dort 1820 – 68 jährig,also müßte er
    1652 geboren sein.Er war Rimer von Beruf.
    Herkunft und Geburtsort sind uns nicht bekannt.

  3. Lieselotte Reinhold says:

    Heinrich Reinhold müßte 1752 geboren,
    Falsche Angabe in der Veröffentlichung

  4. Lieselotte Reinhold says:

    Heinrich Reinhold wurde 1752 geboren
    Und nicht in dem Kommentar 1652

  5. Templin says:

    Ich suche Informationen zur Familie Templin aus Schwetz, Graudenz, Westpreußen. Mich interessiert vor allem Reinhold August Templin (*1.8.1878) und seine Nachfahren/Kinder Elfriede Amalie Anna Templin (*14.3.1905), Alice Herta Templin (*6.3.1907), Udo Templin (*4.3.1920; + 28.2.1937) und Heinz Templin (*13.6.1914). Ich würde gerne mehr über die Flucht / den Treck im Jahre 1945 erfahren. Mit welchen Familien sind sie geflüchtet? Sind alle nach Niedersachsen gezogen? Gibt es einen Bericht über den Flüchtlingstreck? Weiß jemand, wann die Nachfahren verstorben sind und woran. Ich weiß, dass ein Kind (Rosemarie Templin) auf dem Weg verstarb (woran) und dass Hildegard Templin eine geb. Rosenau war, weiß aber nicht, ob auch Familienmitglieder der Familie Rosenau dabei waren (Herbert Willi Rosenau, Hertha Rosenau, Artur Erich Rosenau).
    Falls jemand etwas weiß, würde ich mich freuen. Auch wenn es generelle Infos zum damaligen Leben in Schwetz wären.

  6. Anke Schuriss says:

    Ich suche Vorfahren von meinem Mann. Seine
    Großeltern waren Peter Helmut Schuris und
    Alice geb. Werner, geb. 1895. Sie wohnten in Massanken
    Kreis Rheden oder Graudenz. Alice hatte viele
    Schwestern. Kann jemand über die Flucht oder
    die Familie berichten. Die Familie ist in
    Niedersachsen seßhaft geworden.

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