Die Siebenbürger Sachsen

siIn Siebenbürgen (ca. 60.000 qkm), dem mit Unterbrechung durch die 150-jährige Türkenherrschaft im 16./17. Jahrhundert 1000 Jahre zu Ungarn gehörenden Transsilvanien (ung. Erdély, rum. Ardeal) im Karpatenbogen, leben Deutsche seit über 850 Jahren. Im Jahr 1141 kamen auf Einladung der herrschenden Arpaden-Könige Ungarns zuerst einige tausend nordwestdeutsche und flämische Kolonisten ins Land. Nur wenige dürften wirklich aus Ober- oder Niedersachsen gekommen sein. Der ungarische König Andreas II. dekretierte 1224 in seinem „Goldenen Freibrief“ „unseren getreuen Gastsiedlern, den Deutschen jenseits des Waldes“, daß ihnen die bei der Ansiedlung gewährten Privilegien für immer erhalten bleiben: Grundbesitz, Steuer- und Zollfreiheit, Freizügigkeit, freie Richter- und Pfarrer-Wahl usw. Sogenannte Lokatoren (Anwerber) sorgten für stetigen Zuzug aus dem Reich nach (Alt-)Ungarn. Vorübergehend (1211-25) trieb auch der Deutsche Orden die Kolonisation insbesondere im Burzenland (ung. Bárczaság, rum. Tara Bârsei) im Südosten Siebenbürgens um Kronstadt (ung. Brassó, rum. Brasov) voran, bevor er den Ungarn zu eigenwillig wurde und seine Tätigkeit nach Ostpreußen (siehe dort) verlegte.

Die „Sachsen“ waren als Handwerker, Händler, Bauern und Bergleute tätig und erschlossen das nur dünn besiedelte Land. Der Einfall der Mongolen 1241 warf das Kolonisationswerk zurück, führte aber auch dazu, daß die (Neu-)Besiedlung stärker städtisch ausgerichtet wurde. Es entstanden neben oder anstatt bäuerlicher Siedlungen befestigte deutsche Städte wie Hermannstadt (ung. Nagyszeben, rum. Sibiu), Kronstadt, Bistritz (ung. Beszterce, rum. Bistrita), Klausenburg (ung. Kolozsvár, rum. Cluj), Schäßburg (ung. Segesvár, rum. Sighisoara) und andere. Dies blieb auch immer einzigartiges Merkmal der Siebenbürger Sachsen gegenüber den teilweise erst ein halbes Jahrtausend später nach (Alt-) Ungarn in den Donau-Raum kommenden deutschen Siedlern: Die starke Urbanität wie auch später in den 1540er Jahren die sich rasch und vollständig für immer durchsetzende Reformation, repräsentiert vom eigenen „Sachsen-Bischof“.

1486 wurde die „Sächsische Nationsuniversität“, wie man die Gesamtheit der „Sachsen“ Siebenbürgens nannte, neben ungarischem Adel und dem leibfreien ungarischen Völkchen der Szekler endgültig vom ungarischen König Matthias Corvinus als dritte Staatsnation Siebenbürgens bestätigt – die Rumänen und die mit der Zeit sehr zahlreichen Zigeuner blieben aus den Staatsangelegenheiten ausgeschlossen.

Die schon gegen Ende des 15. Jahrhunderts immer zahlreicheren und aggressiven türkischen Vorstöße und Raubzüge mündeten schließlich ab 1526 in die faktische Loslösung Siebenbürgens aus Ungarn und in den Vasallenstatus gegenüber den osmanischen Sultanen (1529). Die drei „nationes“ des Adels, der Sachsen und der Szekler wählten den Fürsten, den Woiwoden (bis 1688). Der unklare Zustand Siebenbürgens zwischen dem jetzt habsburgischen (Rest-) Ungarn und den Türken führte in den folgenden eineinhalb Jahrhunderten immer wieder zu Kriegen, Aufständen,Verwüstungen und auch zu einem Rückgang des Siedlungswerkes: Teile des im Mittelalter von den Sachsen kolonisierten Gebiets gingen wieder verloren. 1695 zählte man in 228 sächsischen Ortschaften 6.000 wüste, aufgegebene Höfe. Die Deutschen lebten nun in vier teilweise unverbundenen Landesteilen: dem größten Teil des „Königsbodens“ (ung. Királyföld, rum. Pamântul Craiesc) um Hermannstadt, dem Nösnerland um Bistritz, dem Burzenland um Kronstadt und im sogenannten Kokelgebiet um Schäßburg und Mediasch (ung. Medgyes, rum. Medias).

In den 1680er Jahren wurde das Land von den Österreichern erobert, die sich nur in langen Kämpfen gegen den Widerstand der Ungarn, zeit- und teilweise auch der Sachsen durchsetzten und die Autonomie des Landes schrittweise zerstörten. Der zentralistische Absolutismus und Katholisierungsdruck der Österreicher machte auch den Sachsen zu schaffen, die sich jetzt – wie auch im 19. Jahrhundert, vor allem seit dem österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 – gegen Madjarisierungsdruck behaupteten, obwohl 1876 die Nationsuniversität als Körperschaft und der Königsboden als Selbsterwaltungseinheit aufgelöst wurden. Wichtigster Integrationsfaktor der Sachsen blieb die evangelische Kirche.

Erst 1918/20, mit dem Übergang Siebenbürgens an Rumänien, setzte wieder eine ungestörte politische und Selbstverwaltungstätigkeit ein. 235.000 Deutsche lebten zu der Zeit in Transsilvanien (8,5 Prozent der Bevölkerung) neben Rumänen (56,5 Prozent), Ungarn und Szeklern (31,4 Prozent) sowie kleineren anderen Gruppen. Nach den Banater Schwaben waren die Sachsen die zweitgrößte deutsche Volksgruppe im neuen Groß-Rumänien. Wie andere Auslandsdeutsche gerieten auch die Siebenbürger Sachsen und ihre Organisationen in den 30er Jahren teilweise unter Einfluß der NS-Auslandsarbeit, vollends nach Übernahme der „Volksgruppenführung“ durch den Himmler-Vertrauten Andreas Schmidt (1912-48) 1940.

Als der Norden Siebenbürgens mit dem Nösnerland, Klausenburg und Sathmar 1940-45 von Rumänien an Ungarn abgetreten werden mußte, waren hiervon – neben den Sathmarer Schwaben (siehe dort) – auch rund 35.000 Sachsen betroffen. Im rumänisch gebliebenen Süd-Siebenbürgen lebten 1941 213.000 Deutsche.

Von den aufgrund deutsch-rumänischer Absprachen etwa 54.000 zur Wehrmacht oder zur Waffen-SS zwangsverpflichteten Sachsen sind 8-9.000 im Krieg gefallen. Rund 50.000 konnten Ende 1944 noch vor dem Einmarsch der Sowjets aus Siebenbürgen in den Westen evakuiert werden, rund 35.000 Sachsen wurden danach bis 1949/50 zur Zwangsarbeit in die UdSSR verschleppt, wo Tausende umkamen.

1948 wurden im nun wieder ungeteilt rumänischen Siebenbürgen noch knapp 160.000 Deutsche gezählt. In den folgenden Jahrzehnten, vor allem in den 70/80er Jahren siedelten Zehntausende nach Westdeutschland aus, nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes 1989/90 der Großteil der noch im Lande lebenden (60-70.000 Aussiedler). Heute (2002) leben noch etwa 17.000 zumeist ältere Deutsche in Siebenbürgen, die im siebenbürgischen Regionalforum des Demokratischen Forum der Deutschen Rumäniens (DFDR) organisiert sind. Seit Mai 1990 sind sie im Bukarester Parlament mit einem Abgeordneten vertreten. Das Regionalforum Siebenbürgen des DFDR trat 1992 der seit 1983 bestehenden internationalen „Föderation der Siebenbürger Sachsen“ bei.

Die Patenschaft über den seit Januar 1949 bestehenden Verband (seit Ende 1950: Landsmannschaft) der Siebenbürger Sachsen in Deutschland übt das Land Nordrhein-Westfalen aus.

One Response to Die Siebenbürger Sachsen

  1. mathias faff says:

    Ja ich habe mich sehr gefreut diesen artickel gelehsen zu haben, ich habe eine grosse mange davon gelaernt wo ich wirlch noch nicht wuste es macht mich gaz stolts zu daenken das ich auch ein siebenbuerger Sachse bin Ich komme Woelz bei Mediasch Mathias Faff

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