Die Sathmarer Schwaben

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Im Nordwesten Siebenbürgens um die Stadt Sathmar (rum. Satu Mare, ung. Szatmár) und im gleichnamigen Komitat (Grafschaft) gab es wie in der nicht weit entfernten östlichen Slowakei (siehe Karpatendeutsche) schon während des Hochmittelalters im 12./13. Jahrhundert von den ungarischen Königen ins Land gerufene deutsche Siedler, die aber anders als dort bald madjarisiert wurden. Im Frieden von Sathmar verzichteten die Habsburger auf Siebenbürgen und anerkannten nach 40-jährigen Wirren die osmanische Oberhoheit über Siebenbürgen – bis auf weiteres.

Erst nach den Türkenkriegen, ungarischen Aufständen gegen Habsburg, Pest (1709-11) und Entvölkerung begann zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine neuerliche planmäßige Ansiedlung deutscher Kolonisten aus Oberschwaben, aber nicht wie sonst staatlich gelenkt, sondern durch die örtliche Magnaten-Dynastie der Károlyis. Nach dem durch den Frieden von Sathmar 1711 beendeten ungarischen Kuruzzen-Aufstand (1703-11) begannen 1712 Werbung und Ansiedlung deutscher – und grundsätzlich katholischer – Bauern im verwüsteten Gebiet, denen vor allem in den 1720/30er Jahren immer weitere folgten. Bis 1838 kamen insgesamt 8.000 Schwaben in die Károly´schen Ländereien. Im Gegensatz zu den aus verschiedensten Reichsteilen stammenden anderen Donau-Schwaben sind die Sathmarer in ganz überwiegender Zahl tatsächlich schwäbischer Herkunft.

Um 1800 lebten etwa 10.000 Schwaben neben Madjaren, Rumänen und Ukrainern im Komitat. Der massiven Madjarisierungspolitik mit Verdrängung der deutschen Sprache seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entkam die Volksgruppe bis heute nicht, obwohl 1919 der größte Teil Sathmars mit den meisten Schwaben durch den Vertrag von Trianon an Rumänien fiel. Der rumänische Staat unterstützte die nationale Selbstfindung der Sathmarer und anderer in seinen Grenzen lebenden Donau-Schwaben als Gegengewicht zum ungarischen Separatismus in Siebenbürgen. Im nun rumänischen Gebiet Sathmar/ Marmarosch wurden 1920 47.000 Deutsche gezählt (vier Prozent der Bevölkerung). Doch die maßgeblich von der katholischen Kirche getragene Madjarisierung führte dazu, daß sich 1930 nur noch 31.000 Personen als Deutsche bekannten, nur 22.000 davon waren deutschsprachig.

Nachdem das Gebiet 1940-45 mit ganz Nord-Siebenbürgen vorübergehend wieder zu Ungarn gehört hatte, waren die Sathmarer Schwaben nach Ende des Weltkriegs wie auch die anderen Rumäniendeutschen nicht allgemeinen Vertreibungsmaßnahmen unterworfen, doch etwa 3.000 flüchteten schon 1944, etwa 6.000 wurden in die Sowjetunion zur Zwangsarbeit verschleppt, um nur zum geringen Teil nach Jahren lebend zurückzukehren.

Im September 1947 wurde in Kempten die Landsmannschaft der Sathmarer Schwaben gegründet, die heute (2002) ihren Sitz in Stuttgart hat.

In den 80er Jahren wurde die deutsche Bevölkerung des Gebiets um die Städte Sathmar und Großkarol auf etwa 40.000 geschätzt. 1989/90 schlossen sie sich zum größten Teil der Massenauswanderung der anderen Rumäniendeutschen nach Deutschland an. Pate der Sathmarer Schwaben ist seit 1962 der schwäbische Landkreis Biberach a.d. Riß.

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