Die Pommern

PomDie deutsche Besiedlung Pommerns begann Ende des 12. Jahrhunderts im Zusammenwirken der seit Beginn des Jahrhunderts herrschenden wendisch-slawischen Greifen-Herzöge, der Hanse und missionierender Orden: Prämonstratenser (1180 Kloster Belbuck) und Zisterzienser (1173 Kloster Kolbatz, 1199 Hilda) waren Motoren der Missionierung und der Kolonisation des seit dem 7.Jahrhundert von den slawischen Pomoranen dünn besiedelten Gebiets zwischen Oder und Weichsel. Die Pomoranen („Leute am Meer“) lebten stets in Konflikt mit den südlichen Nachbarn, den Pol(an)en („Feldleute“).

Vor allem zwischen 1230 und 1280 erfolgten viele Lokationen, Stadt- und Dorfgründungen. Stadtgründungen nach Lübischem (1234 Stralsund, 1255 Kolberg, 1259 Wolgast, 1262 Greifenberg, 1310 Stolp und Neustettin, 1357 Leba usw.) oder Magdeburger Recht (Stettin 1243, Stargard 1243/53) markierten die Eindeutschung des Landes. Schon im 14. Jahrhundert wurde das Niederdeutsche allgemeine Umgangssprache. Die friedliche Siedlung führt bald zum Anschluß an das Heilige Römische Reich deutscher Nation. Der pommersche Herzog nahm sein Land 1181 als Lehen von Kaiser Friedrich I. Barbarossa an. 1338 wurde das Herzogtum Pommern endgültig Reichsstand.

Die Reformation setzte sich in den 1520/30er Jahren aufgrund des Wirkens des Luther-Vertrauten Johannes Bugenhagen („Doctor Pomeranus“) vollständig durch.

Nach zahlreichen Erbteilungen in die Teil-Herzogtümer Stettin, Wolgast, Demmin, Stolp, Stargard etc. starb die Dynastie der Greifen 1637 inmitten des Dreißigjährigen Krieges, der das Land ein Viertel bis ein Drittel der Bevölkerung kostete, aus. 1648 kam der größte Teil des späteren Vertreibungsgebiets Hinterpommern an Kur-Brandenburg, die Landeshauptstadt Stettin mit Vorpommern und ein Landstreifen östlich der Oder kam an Schweden, das die Stadt 1720 an Brandenburg-Preußen abtreten mußte. Unter Friedrich II. erfolgte ab den 1740er Jahren ein verstärkter Landesausbau: 159 neue Dörfer wurden neu gegründet und mit Siedlern aus Schwedisch-Vorpommern, aus Mecklenburg, Schwaben, Sachsen und der Pfalz „peupliert“. Um 1748 zählte Preußisch-Hinterpommern etwa 310.000 Einwohner.

1815 ging auch der Rest Vorpommerns – westlich der Oder – von Schweden an Preußen über. 1938 wurde der Provinz Pommern der Großteil der aufgelösten Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen mit Schneidemühl, Dt.-Krone, Schwerin a.d.Warthe usw. (siehe Westpreußen) angeschlossen, dessen Bevölkerung im folgenden mitberücksichtigt wird.

Die überwiegend ländliche Bevölkerung der Provinz Pommern östlich der Oder mit Stettin und Swinemünde in den Grenzen von 1938 (31.300 qkm) zählte bei Kriegsbeginn rund 1,9 Millionen Deutsche. Sie war zu 95 Prozent protestantisch, nur im äußersten Osten lebte eine kleine katholische Minderheit der Kaschuben (siehe Westpreußen). In den östlichen Randgebieten lebten etwa 8.000 Deutsch/Polnisch- bzw. /Kaschubisch -Zweisprachige. Die Kaschuben – zahlreicher in Westpreußen (siehe dort) – mögen als die letzten Nachkommen der Pomoranen anzusehen sein.

125.000 Pommern aus diesem östlichen Teil der Provinz fielen im Krieg, über 40.000 kamen durch Luftangriffe oder bei den Kämpfen 1945 ums Leben. Über 1,4 Millionen Pommern wurden 1945/47 vertrieben, etwa 330.000 Deutsche – jede/r Sechste – kamen auf der Flucht, in Lagern, während der Verschleppung zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion oder durch willkürliche Gewalt ums Leben. Die Vertreibung war nahezu vollständig. Die polnischen Neusiedler stammten in der Mehrzahl nicht aus dem an die UdSSR gefallenen Ostpolen, sondern aus Zentralpolen.

1948 entstand in Westdeutschland die Pommersche Landsmannschaft unter ihrem Sprecher Herbert von Bismarck (bis 1953), einem Großneffen Otto von Bismarcks, der sich auch die Zonenflüchtlinge aus den an die SBZ/DDR gefallenen Teilen Vorpommerns anschlossen. 1954 übernahm das Land Schleswig-Holstein, in dem seit 1945 hunderttausende Pommern Zuflucht gefunden hatten, die Patenschaft über die Landsmannschaft.

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