Die (Ost-)Brandenburger

VBron der früheren preußischen Provinz Brandenburg liegt mit über 11.000 qkm mehr als ein Viertel, nämlich die Neumark und die östliche Niederlausitz rechts von Oder und Neiße (das heutige Bundesland Brandenburg zählt 29.000 qkm).

Das Gebiet des späteren Brandenburg, in dem seit der Völkerwanderungszeit die slawischen Wenden und Liutizen siedelten, kam im 12. und 13. Jahrhundert durch die Askanier, die sich seit 1144 Markgrafen von Brandenburg nannten, an das Hl. Römische Reich. Mit der Landnahme vollzog sich vor allem im 13. Jahrhundert parallel die deutsche Besiedlung und Christianisierung des Gebietes. Wichtig war die Gründung des Bistums Lebus 1133. Die Siedler kamen vornehmlich aus den askanischen Ländereien in Westfalen, den Niederlanden und Flandern. Es folgten deutschrechtliche Stadtgründungen wie Königsberg/Nm. (1240), Frankfurt/Oder (1253), Landsberg a.d.Warthe (1257), Schwerin a.d.Warthe (1312), Küstrin (1317) usw.

Nach und nach kam das ganze Gebiet an den preußisch-brandenburgischen Staat. In die 1816 gebildete preußische Provinz wurde 1920 auch das Stadtgebiet von Berlin eingegliedert.

Bei der Reichstagswahl vom Dezember 1924 wurden in Brandenburg östlich von Oder und Lausitzer Neiße bei einer Zahl von über 570.000 Wahlberechtigten knapp 1.900 Stimmen für die „Polnische Volkspartei“ abgegeben. Ein Jahr später wurden in Ost-Brandenburg knapp 3.500 Personen mit polnischer Muttersprache gezählt.

Von den im Jahr 1939 645.000 Einwohnern – darunter 3.000 Nicht-Deutsche – sind über 40.000 im Krieg gefallen, 395.000 sind bis 1950 nach West-und Mitteldeutschland gelangt, 208.000 sind auf der Flucht und bei der bereits im Juni 1945 von den Polen gerade im Gebietsstreifen unmittelbar östlich von Oder und Neiße massiv forcierten Vertreibung umgekommen, ermordet worden oder blieben vermißt. Mit dieser unerhört hohen Quote von 38,9 Prozent Kriegs-und Nachkriegsverlusten bzw. ungeklärten Fällen führt Ost-Brandenburg einsam die Statistik aller Vertreibungsgebiete an. Ein Grund hierfür mag der sehr rasche Vorstoß der Roten Armee zur mittleren Oder im Januar 1945 sein, der kaum noch eine Flucht oder einigermaßen geregelte Evakuierungen zuließ. Durch die polnische Annexion Ost-Brandenburgs wurden an der Oder die Städte Küstrin und Frankfurt, an der Lausitzer Neiße Guben und Forst zerrissen.

Am 9.Oktober 1949 wurde in Hamburg als Interessenverband nicht nur der ostbrandenburgischen Vertriebenen, sondern auch der Zonenflüchtlinge aus dem westlichen Landesteil und dem Ostteil Berlins die Landsmannschaft Berlin-Mark Brandenburg gegründet. Nach Jahrzehnten in Stuttgart hat die Landsmannschaft mit der Errichtung von „Haus Brandenburg“ ihren Sitz 1999 nach Fürstenwalde zwischen Berlin und Frankfurt/Oder verlegt.

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