Die Karpatendeutschen in der Slowakei

In dKPie Slowakei, die als „Oberungarn“ von 907 bis 1918 über tausend Jahre lang zu Ungarn gehörte, wanderten Deutsche in größerer Zahl erst um 1200 ein. Siedlungsgebiete waren im Osten die Zips (slowak. Spiš, ung. Szepes) um Leutschau (Levoca/ Löcse) und Kesmark (Keµmarok/Késmárk), in der Landesmitte das Hauerland um die Bergbaustädte Kremnitz (Kremnica/ Köärmöcbánya), Schemnitz (Banská Štiavnica/Selmecbány), Krickerhau (Handlová/ Nyitrabánya) und Deutschproben (Nemecké Pravno/ Németpróna) und schließlich ab 1234 die Schüttinsel bei Preßburg (ung. Pozsony, slowak. seit 1918 Bratislava), das 1526-1784 ungarische Landeshauptstadt war, im Westen. Es waren vor allem Bergleute und Handwerker, später auch Bauern, die als von den ungarischen Königen gerufene „Gäste“ den Landesausbau vorantrieben. Die Siedler kamen aus Bayern, Franken, die Bergleute auch aus Böhmen und Schlesien. Der Mongoleneinfall 1241/42 warf die Anfänge der Kolonisation schwer zurück. Die Bevölkerungsverluste waren groß.

Die Deutschen hatten eine ausgeprägte und landesherrschaftlich etwa durch die „Zipser Willkür“ von 1370 garantierte Selbstverwaltung, die bis 1876 bestand. Den deutschen Städten waren eigene Gerichtsbarkeit, freie Pfarrer- und Richterwahl usw. zugesichert. Auch in späteren Jahrhunderten setzte sich die Zuwanderung fort, vor allem aus den habsburgischen Ländern, zu denen die Slowakei mit dem nichtosmanischen Teil Ungarns seit der verlorenen Schlacht bei Mohács 1526 gehörte. Die Reformation breitete sich um 1530 bei den Deutschen rasch aus und förderte das Bildungswesen. Lateinschulen in Preßburg und Käsmark und viele Dorfschulen wurden gegründet.

Mit dem österreichisch-ungarischen Ausgleich 1867 begann für die Deutschen in ganz Ungarn eine Zeit verschärfter Madjarisierung, in der vor allem die deutsche Sprache rigoros aus dem Schulunterricht verdrängt wurde. Nach 1900 wurde selbst in den Grundschulen rein deutscher oder slowakischer Gemeinden nur noch madjarisch unterrichtet, in einer Sprache also, die die Schulanfänger vielfach gar nicht verstanden.

1910 wurden in „Oberungarn“ knapp 200.000 deutsche Muttersprachler (6,7 Prozent der Bevölkerung) gezählt, worunter aber auch zahlreiche Juden waren. Zur deutschen Nationalität bekannten sich -nach dem Übergang des Landes an die Tschechoslowakei (1918/19) 1921 und 1930 je etwa 150.000 (4,7 bis 4,9 Prozent) der Bevölkerung der Slowakei. Immerhin stellten sie ein Viertel der Bevölkerung Preßburgs. Im Wahlbündnis mit der „Sudetendeutschen Partei“ entsandte die „Karpatendeutsche Partei“ 1935 einen Senator und einen Abgeordneten nach Prag. In der unter dem Schutz des Deutschen Reichs 1939 verselbständigten Slowakei erhielten die Deutschen Volksgruppenrechte und einen deutschen Schulminister.

Der slowakische Nationalaufstand im Herbst 1944 verursachte Verluste unter der deutschen Bevölkerung und löste umfangreiche Evakuierungsmaßnahmen aus, die nach Böhmen und Mähren führten. Die Karpatendeutschen teilten dann das Vertreibungsschicksal der Sudetendeutschen.

Etwa 5.000 Karpatendeutsche fielen im Krieg als slowakische oder deutsche Soldaten im Osten, 4.000 Zivilisten wurden zur Zwangsarbeit nach Osten deportiert, etwa 13.000 kamen bei Flucht und Vertreibung – vor allem in Böhmen/Mähren – um.

Bei der Volkszählung 2001 bekannten sich rund 6.000 Deutsche in der seit 1993 selbständigen Slowakei zur deutschen Nationalität, die seit der Wende 1989/90 von ihren in Deutschland lebenden Landsleuten unterstützt werden.

1949 wurde bei einem ersten Bundestreffen in Ludwigsburg die Karpatendeutsche Landsmannschaft Slowakei gegründet, die 1951 mit Vertretern des slowakischen Exils ein Abkommen unterzeichnete, das die Vertreibung verurteilte und das Heimatrecht der Slowakei-Deutschen anerkannte. 1985 wurde es mit dem „Weltkongreß der Slowaken“ erneuert. Seit 1957 steht die Volksgruppe der Deutschen aus der Slowakei unter der Patenschaft der Stadt Augsburg.

3 Responses to Die Karpatendeutschen in der Slowakei

  1. E. Williams says:

    Die so sehr liebliche Slowakei ist mein Geburtsland. 1944 mussten wir es wie fast alle Deutschsprechenden verlassen. Damals war ich zwei Jahre alt und nach einem argen Zickzackkurs von Land zu Land kam ich als Vierjährige in der französischen Zone in Deutschland an. Meine von meiner Mutter adoptierte sehr geliebte gute Schwester war die Tochter einer im Kindbett verstorbenen Slowakin aus Zlate Morawce.
    Später gab es jeden Sonntag ein Zipser Kaffeekränzchen und mir fiel schon als kleines Schulkind auf, dass Hochmut gegenüber den Slowaken in der Heimat geherrscht haben muss und mangelnde Liebe zu jüdischen Leuten. Es tat mir weh.

  2. Chiara Günther says:

    Meine Vorfahren kommen aus Zips, aus dem Dorf Busćovse (dt.Bauschendorf)
    Meine Urgroßmutter und die Schwestern wurde lange von Bruder,Mutter & Vater getrennt, bis sie sich in München wiederfanden.Sie wurden von dortaus nach Lauterbach und nach Freiensteinau verteilt.Wir haben das Sudetendeutsche Blut in uns aber kein Verständnis dafür wie es den Flüchtlingen aus Syrien beispielsweise geht.Einige wollen viele Menschen nicht mehr aufnehmen.Dabei sind sie selbst keine Deutschen in dem Sinne…
    Ich wünsche mir das ich einmal meine Familie wiederfinden werde…

  3. Heelmut Peters says:

    Fehlerhinweis:
    Patenstadt der Volksgruppe der Karpatendeutschen (aus der Slowakei)ist nicht Augsburg, sondern Karlsruhe (sh. Karpatenjahrbuch 1957).

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