Die Deutschen aus Litauen

litDie Siedlung Deutscher im Gebiet der heutigen Republik Litauen begann erheblich später als etwa in Estland und Lettland. Erst im 15. Jahrhundert kamen Deutsche, die ganz im Gegensatz zu den Deutsch-Balten auch eher bäuerlich strukturiert waren, ins Land, was sich bis ins 18.Jahrhundert durch die Anwerbung durch polnische und litauische Magnaten fortsetzte und im 19. Jahrhundert – unter russischer Herrschaft – in die weitere Ansiedlung vor allem aus dem benachbarten Ostpreußen führte. In Wilna (lit. Vilnius) und Kowno (Kaunas) gab es ein kleines deutsches Bürgertum. Die in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts langsam entstehende litauische Industrie wurde überwiegend von deutschen Unternehmern und Arbeitern aufgebaut.

Im Ersten Weltkrieg wurden Tausende Deutsche 1915/16 ins Innere Rußlands verschleppt, wo viele umkamen. Nach der Erringung der Unabhängigkeit (16.2.1918, – Juli/Oktober 1918 vorübergehend unter Herzog Wilhelm von Urach als König Mindaugas II.- , endgültig 2.11.1918) und einem schließlich im Zusammenwirken mit baltischen und deutschen Verbänden erfolgreichen Abwehrkrieg gegen die Rote Armee 1919/20 zählte man in den ehemals russischen Gouvernements Kauen (poln. Kowno, lit. Kaunas), Suwalki und Wilna (lit. Vilnius), die jetzt im wesentlichen das Staatsgebiet der Republik Litauen bildeten,1923 (1929) 30.000 (35.000) eingesessene Deutsche, was etwa 1,5 Prozent der Gesamtbevölkerung entsprach. Zusammen mit den Deutschen im 1923-1939 von Litauen annektierten Memelland (siehe Ostpreußen) bildeten sie allerdings nach den Juden die zweitgrößte Minderheit im relativ homogenen (1939 über 80 Prozent) Herrschaftsbereich der litauischen Regierung.

Nach der Rückgliederung des Memellandes an Ostpreußen/Deutschland im März 1939 und dem Hitler-Stalin-Pakt von 1939 schloß das Reich nicht wie im Falle Estlands und Lettlands mit Litauen, das nach anfänglichen, bald revidierten deutsch-sowjetischen Regelungen im deutschen Interessenbereich bleiben sollte, einen Umsiedlungsvertrag ab, sondern erst am 10.1.1941 mit der Sowjetunion, so daß die Litauendeutschen ein dreiviertel Jahr sowjetischer Herrschaft ertragen mußten. Die tatsächliche Zahl der Volksgruppe erwies sich mit rund 50.000, von denen etwa 60 Prozent Januar/März 1941 nach Ost-und Westpreußen und in den Warthegau umgesiedelt wurden, wobei auch einige hundert Litauer „mitgeschmuggelt“ werden konnten, der Rest im Alt-Reich.

Etwa 3.000 Litauendeutsche fielen im Krieg, etwa ein Viertel der Deutschen aus Litauen hat Krieg, Flucht und Vertreibung nicht überlebt. Die meisten Überlebenden fanden in Westdeutschland Aufnahme, wo sie 1953 ihre Landsmannschaft gründeten, über die die Stadt Neheim-Hüsten 1959 und nach Gebietsreform in deren Rechtsnachfolge 1975 die Stadt Arnsberg die Patenschaft übernahm.

One Response to Die Deutschen aus Litauen

  1. Skwirblies Roland says:

    Ich habe mit meiner Familie vom 06.04 bis 14.04.2012 eine „Spurensuche“ nach Litauen unternommen. Kedainia-Jurbarkas-Panewezys-Rasainiai-Memel- Polen Plock (Schröttersburg).In Kedainiai hat mein Sohn im Museum ein Bild (vorhanden) der „Ausreisewilligen Deutschen“ gefunden, auf dem meine Eltern unter Anderen zu sehen sind. Bei meiner Spurensuche konnte ich nicht ermitteln wie die Arbeitsverhältnisse von 1905 bis 1939 in Litauen waren. Mein Vater hat ein deutsches Schulzeugnis (Memelgebiet), ein Schriftstück zeigt an -Ausbildung zum Uffz. (deut. Wehrmacht) und hat (meiner Meinung) nach der Lehrausbildung in deutschen Banken als Buchhalter gearbeitet. Zu Hause wurde deutsch gesprochen (hochdeutsch, in Sachsen hatte ich Schwierigkeiten mit der sächsischen Aussprache, hartes und weiches d usw).
    Der Antrag auf Ausreise wurde am 18.04.1939 von der deutschen Botschaft Kowno mit einem Schreiben beantwortet, in dem Vater mit Dokumenten nachweisen musste (bis zur 3 Generation) das wir deutschstämmig sind. Der neue Wohnort wurde uns 1941 im neuen deutschen Reich, Schröttersburg (Polen Plock) zugewiesen. Wir bekamen eine teilweise möblierte Wohnung in der vorher eine jüdische Familie wohnte. Januar 1945 wurden wir mit dem letzten Zug evakuiert. Meine Frage: Gab es eigenständige Firmen/Unternehmen in Litauen außerhalb des Memelgebietes? Vater hat in Panewezy und Kedaniai (letzter lit. Wohnort) meiner Meinung nach in deutschen Banken gearbeitet.

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