Die Danziger

ADls deutsche Stadt wurde Danzig 1224/25 noch innerhalb des Fürstentums Pommerellen (etwa Gebiet des späteren Westpreußen westlich der Weichsel) gegründet. Als Kaufmanns-, Handels- und Hafenstadt erlangte sie große Bedeutung im Ostseeraum. Als Stadt eigenen Rechts war sie vom umliegenden – damals noch slawischen – Umland klar getrennt, wurde aber bald zu einem Ausgangspunkt der deutschen Besiedlung des weithin brachen Weichsellands. Mit Pommerellen kam Danzig 1308/09 an den Deutschen Orden und begab sich 1454 unter Wahrung seiner Rechte und Eigenständigkeit unter die Schutzhoheit der Krone Polens. Es behauptete sich mehr noch als andere Städte des sogenannten „Königlichen Preußen“ auch nach der einseitigen und somit rechtswidrigen polnischen Eingliederungsakte von 1569 in den folgenden Jahrhunderten als nahezu unabhängige Stadtrepublik. In seiner wirtschaftlichen Blütezeit um 1650 hatte die deutsche Kaufmannsstadt Danzig fast 80.000 Einwohner (zu dieser Zeit: Hamburg 60.000, Breslau 30.000, Berlin 6.000).

In Zusammenhang mit der 2.Teilung Polens 1793 beschloß die Stadt aus eigenem Recht ihren Anschluß an das Königreich Preußen, dem sie bis 1918/20 angehörte – unterbrochen nur von einer von Napoleon erzwungenen Scheinselbständigkeit als „Freistaat“ 1807-14. Von 1815-29 und seit 1878 war Danzig Hauptstadt der Provinz Westpreußen.

Der Versailler Vertrag trennte Danzig mit Umland von Preußen und Reich ab, sprach es jedoch nicht dem wiederhergestellten Polen zu, sondern konstruierte es 1920 als eigenen Staat „Freie Stadt Danzig“ unter „Schutz“ und Aufsicht der Alliierten, vertreten durch den Völkerbund bzw. einen Kommissar des Völkerbundes. Diese bizarre Konstruktion war zum einen dem polnischen Bestreben geschuldet, Danzig vom Reich zu trennen, zum anderen der Tatsache, daß man das Gebiet wegen seiner demographischen Verhältnisse unmöglich ohne weiteres Polen zuschlagen konnte:

Von den 330.000 Menschen, die 1910 in dem knapp 2.000 qkm großen Gebiet lebten, sprachen über 95 Prozent Deutsch, knapp drei Prozent Polnisch, weniger als ein Prozent waren Kaschuben oder Masuren. 1923, also nach der Abtrennung vom Reich, gaben sogar 97,6 Prozent der Bevölkerung Deutsch als Muttersprache an (Polnisch, Kaschubisch, Masurisch: zwei Prozent). Bei den freien Parlaments-(Volkstags-)wahlen vom Mai 1933 entfielen 3,2 Prozent der Stimmen auf polnische Listen.

Noch am Tag des Kriegsbeginn 1.9.1939 wurde der Wiederanschluß des Gebiets der „Freien Stadt Danzig“ an Deutschland proklamiert. Bis 1945 war Danzig nunmehr Hauptstadt des „Reichsgau Danzig-Westpreußen“.

Etwa 22.000 deutsche Danziger fielen im Krieg. Von den 1945 etwa 407.000 im Gebiet der Freien Stadt Danzig lebenden Menschen sind über 100.000 bei Flucht, Vertreibung und Deportation umgekommen.

Nach der Einnahme Danzigs durch sowjetische und polnische Truppen am 27.3.1945 kam während der Besatzungszeit und während der Ausweisungen jeder fünfte Danziger gewaltsam oder aufgrund der Umstände ums Leben oder blieb vermißt.

1950 lebten in Westdeutschland 225.000 Danziger, in der SBZ etwa 60.000. Ab Juni 1945 bestand in Lübeck bereits ein „Danziger Hilfskomitee“. Im April 1946 zunächst von den Alliierten verboten, wurde dann im August 1948 der Bund der Danziger als landsmannschaftliche Vereinigung gegründet. Ausgehend von der Völkerrichtswidrigkeit der zwei Annexionen von 1939 und 1945 und vom de-jure-Fortbestand der „Freien Stadt Danzig“ besteht seit 1947 de „Rat der Danziger“ ,der die Interessen der deutschen Danziger nach außen wahrnimmt. Patenstadt der Danziger ist Düsseldorf.

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