Gedanken zum Tag der Heimat 2016

Image636133673270913790Der „Tag der Heimat“ des Jahres 2016, der am 04. September begangen wurde, liegt schon wieder mehrere Wochen hinter uns. In den bundesdeutschen Medien, sowohl im Rundfunk und Fernsehen als auch in der Presse, ist an jenem Tag im September dem historischen Ereignis in der deutschen Geschichte , nämlich der am 05. August 1950 erfolgten Verkündigung der Charta der deutschen Heimatvertriebenen, wenig oder sogar keine Aufmerksamkeit geschenkt worden.

Bis vor wenigen Jahren galt in der BRD der 05. August eines jeden Jahres als Gedenktag für die Tragödie des nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges an den deutschen Vertriebenen begangenen Verbrechens der Vertreibung aus ihrer Heimat. Stattdessen wird seit einigen Jahren in diesem Staate jedes Jahr im Monat September der „Weltflüchtlingstag“ begangen. An den von den Siegermächten der beiden Weltkriege am deutschen Volke begangenen Verbrechen soll nach Möglichkeit nicht mehr erinnert werden. Auch das so inhaltsreiche und gefühlvolle, so eigene deutsche Wort „Heimat“ soll gefälligst nicht mehr benutzt werden.

Dass auch die deutschen Vertriebenenverbände – BDV und Landsmannschaften – „den Tag der Heimat“ nicht mehr am 05. August eines jeden Jahres begehen, sondern sich – brav politisch-korrekt – den „Weltflüchtlingstag“ jeweils im September feiern, ist unbegreiflich und auch nicht hinnehmbar. Die „Charta der Deutschen Heimatvertriebenen“, welche am 05. August 1950 in Bad Cannstadt verkündet worden war, ist als eine einmalige und großartige Geste von leidgeprüften Deutschen ihren Peinigern von damals gegenüber zu betrachten. Sogar in den Presseorganen der deutschen Heimatvertriebenen ist in diesem Jahr kaum auf das besondere Datum des 05. August 1950 für die deutsche Nation und alle anderen Völker Europas hingewiesen worden. Das ist enttäuschend, das schmerzt!

Die besagte Charta darf mit gutem Recht als ein „Document humain“ betrachtet werden. Hätten die Politiker der damaligen Kriegsgegnerstaaten die von deutscher Seite ausgestreckte Hand ergriffen, als Willen zur Verständigung verstanden und wäre der Wiederaufbau Europas gemeinsam und einträchtig angegangen worden, Europa hätte damit gewiss eine gediegenere Fundierung bekommen, als die jetzige Europäische Union sie hat.

Enttäuschende Erfahrungen dürfen uns aber nicht davon abhalten, weiter für eine weltweite Anerkennung des Rechts auf die Heimat, seine Verankerung in das zwischenstaatliche Recht zu fordern und sich in konkret vorliegenden Fällen für seine praktische Durchsetzung einzutreten.

Im Oktober 2016

Dr. Frans du Buy

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Dr. Frans du Buy promovierte 1957 zum Dr. jur. und arbeitete bis zum Oktober 1988 als Dozent an der juristischen Fakultät der Reichsuniversität Utrecht.

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2 Responses to Gedanken zum Tag der Heimat 2016

  1. Albrecht Kauschat says:

    Herr Du Buy, Sie haben Recht, wenn Sie auf die außergewöhnliche Geste der Charta hinweisen (wie friedlich könnte der Nahe Osten sein, wenn die Palästinenser ein solche Charta hätten). Sie haben auch Recht, wenn Sie bedauern, dass in der Öffentlichkeit, vor allem in der Jugend, sowohl die Vertreibung als auch die Charta praktisch kaum noch Wissen vorhanden ist. xxxxx Zum Gedenken kann man allerdings geteilter Meinung sein. Unverständlicher Weise gibt es wohl auch Kritiker an der Wortwahl in der Charta, die manche dann auch gerne missverstehen. Für mich ist aber der Termin im September viel wirkungsvoller, da er wie die Charta bereits seit 1950 als „Tag der Heimat“ im September mit a l l e n Gruppen der Vertriebenen (also gemeinsam auch diejenigen, die sonst eher ihr eigenes Süppchen kochen) gefeiert wird. Hinzu kommt, dass das Land Hessen (wie auch Bayern und ich glaube auch Sachsen) einen gesonderten staatlichen Gedenktag im September eingeführt hat. So wird auch von staatlichen Amtsträgern (bei uns meist der Ministerpräsident Bouffier) ganz offiziell an das Unrecht der Vertreibung und die Leistungen der Vertriebenen und Spätaussiedler öffentlichkeitswirksam erinnert wird. xxxxx Das schließt natürlich nicht aus, dass alle Ebenen des BdV, der Landsmannschaften und die Heimatverbände am 5. August an die Charta erinnern. Und wenn jede Ebene wenigstens eine Vorstandssitzung oder einen Stammtisch durchführen, der öffentlich angekündigt wird. as wird meist in den Zeitungen abgedruckt und bietet die Möglichkeit, an Vertreibung und Charta zu erinnern.

  2. Albrecht Kauschat says:

    Da sind noch einige Fehlinformationen: der „Weltflüchtlingstag“ ist der 20. Juni seit 2001. So irren Sie sich, wenn Sie folgern, dass die Vertriebenen und ihre Organisationen im September den „Weltflüchtlingstag“ begingen. Wir gestalten immer einen „Tag der Heimat“ mit Heimatkundgebung und anschließender Präsentation der heimatlichen Kultur, was auch Ihren Vorwurf widerlegt, dass der Begriff Heimat vermieden werde (was sonst lange tatsächlich ein Problem war). xxxxx Wir sind uns wohl einig, dass sowohl der „Tag der Heimat“ mit Kundgebung und kultureller Heimatpräsentation in möglichst allen Kreisstädten im September, staatliche Gedenktage in den Ländern wo es möglich ist, als auch öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen in Erinnerung an die Charta der Vertriebenen veranstaltet werden sollten!

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