„Ich will meine Wurzeln nicht vergessen“

Image635916742460136615Pinneberg | Monika Ziegler ist Schatzmeisterin der Kreisgemeinschaft Fischhausen. Diese will die Erinnerung an das Leben im früheren Ostpreußen nahe der Stadt Königsberg, dem heutigen Kaliningrad, bewahren und hat ihren Sitz am Fahltskamp in Pinneberg. Im Sonntagsgespräch erklärt Ziegler unter anderem, warum die Verbindung zum Kreis Pinneberg so eng ist.

Monika Ziegler (63) wohnt in Stelle (Landkreis Harburg). Die Mutter zweier erwachsener Kinder ist bei der Kreisgemeinschaft unter anderem für das Erstellen des Heimatbriefs zuständig und als Schatzmeisterin Mitglied des Vorstands.

Wie sieht die Arbeit der Kreisgemeinschaft aus?
Die Arbeit ist historisch gewachsen und hat sich im Laufe der Jahre verändert. Bei der Gründung kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging es darum, Familien zusammenzuführen. Auch die Lastenausgleichsansprüche und die Hoffnung auf eine Rückkehr in die alte Heimat spielten eine wichtige Rolle. Die Treffen der Flüchtlinge aus dem ostpreußischen Kreis Fischhausen hatten ebenfalls sehr schnell eine große Bedeutung. An Letzterem hat sich bis heute nichts geändert. Ansonsten sehen die Aufgaben aber ganz anders aus. So ist die Herausgabe des Heimatbriefes das Bindeglied zwischen den einzelnen Mitgliedern. Das Museum in Pinneberg hilft, die Erinnerung zu bewahren und Informationen über den Kreis Fischhausen zu vermitteln.

Was verbindet Sie persönlich mit dem Kreis Fischhausen?
Meine Mutter stammt von dort. Sie kommt aus Rossitten. Ich selbst entwickelte erst nach ihrem Tod einen wirklichen Bezug zum Kreis Fischhausen. Je mehr ich mich damit beschäftigte, desto größer wurde das Interesse. Allein durch das Erstellen des Heimatbriefes erfahre ich enorm viel über meine Wurzeln. Ich war auch schon mehrmals selbst vor Ort. Die nächste Reise ist für 2017 geplant.  Insgesamt ist es leider so, dass die Zahl der Touristen abnimmt, die nach Ostpreußen wollen. Die Älteren schaffen es häufig aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr und deren Nachkommen reicht meistens schon ein Besuch.

Wie ist die Verbindung zum Kreis Pinneberg?
Sehr eng. Schließlich hat der Kreis bereits seit 1951 die Patenschaft für den Heimatkreis Fischhausen inne. Damals hatte Pinneberg als erster Kreis in der Bundesrepublik eine Patenschaft für einen ostpreußischen Landkreis übernommen. Deshalb ist unser Sitz am Fahltskamp. Kreis und Stadt Pinneberg unterstützen uns immer noch so gut sie können. Auch bei unseren jährlichen Treffen sind immer Ehrengäste aus dem Kreis dabei, meistens übernehmen Kreispräsident Burkhard Tiemann oder Pinnebergs Bürgervorsteherin Natalina Boenigk  abwechselnd die Schirmherrschaft.

Gibt es Probleme, mit denen die Kreisgemeinschaft zu kämpfen hat?
Es wäre schön, wenn wir mehr Nachwuchs für das Thema begeistern könnten. Zudem bräuchten wir vor Ort jemandem aus dem Kreis Pinneberg, der sich engagiert. Unsere etwa 3000 Mitglieder sind über ganz Deutschland verteilt und leben teilweise sogar im Ausland. Die meisten wohnen allerdings aufgrund der Flüchtlingsströme nach dem Zweiten Weltkrieg in Schleswig-Holstein.

Was ist für die Zukunft geplant?
Die Älteren, die noch selbst im Kreis Fischhausen lebten, werden irgendwann nicht mehr da sein. Früher waren bei den jährlichen Treffen 1000 Menschen dabei, inzwischen sind es vielleicht 100. Es hilft nichts, den alten Zeiten hinterher zu jammern. Wir müssen uns der Realität anpassen und uns darauf einstellen. Das ist die Herausforderung, vor der wir stehen. Wir müssen nach Wegen suchen, die Erinnerung zu bewahren. Deshalb wäre es auch so wichtig, einen Helfer vor Ort zu haben. Dann könnten wir zum Beispiel unser Museum häufiger öffnen. Wir haben keine festen Öffnungszeiten. Unsere Räume können immer dann besichtigt werden, wenn jemand da ist. Führungen sind außerdem nach telefonischer Anmeldung möglich. Wir nehmen uns für Besucher viel Zeit und bieten Gruppen Köstlichkeiten wie ostpreußischen Schmandkuchen und Pillkaller – ein Doppelkorn mit Leberwurst und Senf – an.

Warum ist es so wichtig, die Erinnerung zu bewahren?
Meine persönliche Motivation ist, dass ich meine Wurzeln nicht vergessen will. Grundsätzlich sind die Gebiete aus Ostpreußen ein Teil unserer Geschichte. Es wäre schade, wenn die Erinnerung daran völlig verloren geht.

Erhöht die eigene Familiengeschichte das Verständnis für die Flüchtlinge, die jetzt nach Deutschland kommen?
Das ist ganz schwer zu vergleichen. Damals kamen die Flüchtlinge aus Ostpreußen in ein völlig zerstörtes Land, hatten aber zumindest den Vorteil, dass sie die Sprache beherrschten. Die Situation ist heute völlig anders. Ich verstehe aber jeden, der vor Kriegen flüchtet und Leib und Leben retten will. Diesen Menschen müssen wir helfen. Quelle: SHZ

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