„Freiwillig wären wir nie gegangen“

Vor knapp 70 Jahren wurde Ursula Häring aus Schlesien vertrieben

Ursula Häring erinnert sich noch sehr genau an die Vertreibung aus Schlesien vor 70 Jahren. Außer einem Familienbild ist ihr aus der alten Heimat kaum etwas geblieben.

(WN)Nordwalde – Sieben Jahrzehnte ist es fast her, dass Ursula Häring Silvester das letzte Mal in ihrer alten Heimat gefeiert hat. Pfingsten 1946 kam sie nach Nordwalde. „Wir wurden aus Waldenburg in Schlesien vertrieben“, erzählt sie. Wichtig ist ihr dabei, dass sie keine „Flüchtlinge“ waren, wie derzeit die Menschen aus Syrien oder Afghanistan genannt werden, die in Deutschland Asyl suchen.

„Freiwillig wären wir nie gegangen“, stellt Häring mit Nachdruck fest. Die wichtigsten Dinge waren bereits gepackt, als sie gehen mussten und die Wohnungen hinter ihnen von den Polen versiegelt wurden. Da durfte nicht einmal die Puppe der Schwester noch geholt werden, die diese vergessen hatte. Zusammen mit zwei jüngeren Schwestern und der Mutter ging es damals zwei Wochen lang – zuerst im Güterwaggon, dann im Personenzug – Richtung Westen. 17 Personen im Waggon, ein bisschen Stroh in einer Ecke als Schlafplatz und ein Eimer in der anderen Ecke als Toilette.

Immer Richtung Westen bis Maria Veen fuhr die Bahn. Dann schließlich nach Rheine. Von dort schaukelten sie auf einer Lkw-Ladefläche nach Nordwalde. „Hier wurden wir aufgeteilt und die meisten von Bauern abgeholt“, erinnert sich Ursula Häring. Am nächsten Morgen um 6 Uhr war Wecken angesagt zum Arbeiten. Ihre beiden kleinen Schwestern kamen zu einer anderen Familie. Nach der Schule hieß es für die Kinder: Kartoffeln schälen oder bei der Heuernte helfen. Ursula musste melken lernen. Damals wurde das noch ohne Maschinen erledigt. Ihrer Mutter brachte es eine Sehnenscheidenentzündung ein. Integrationstreffs wie heute gab es nicht.

„Man musste schnell auf die Füße kommen, wenn man von den Höfen weg wollte“, erinnert sich Häring. Als 14-Jährige hat sie nachts bei Fraling gearbeitet, weil dann Strom für die Maschinen vorhanden war. „Wir haben mit vier Personen in Doppelstockbetten in einem Zimmer an der Emsdettener Straße gewohnt“, beschreibt sie die Situation vor 70 Jahren. Von der Gemeinde hatte es am Anfang mal Geld für die Mutter mit den drei Mädchen gegeben. Als aber die Rente des gefallenen Vaters gezahlt wurde, wurde das Geld gleich damit wieder verrechnet.

„Wir hatten ja nichts. Zuckersäcke haben wir aufgezogen und daraus kratzende Pullover gestrickt“, weiß die älteste der Schwestern noch. Eine Einrichtung für das Zimmer musste organisiert werden, irgendwie: „Frau Hidding hat damals eine Glühbirne aus ihrer Nachttischlampe rausgeschraubt und meiner Mutter gegeben.“

Nicht alle Nordwalder waren begeistert über den Zuwachs im Dorf. „Da wurde uns auch erst der Unterschied zwischen evangelisch und katholisch bewusst gemacht“, beschreibt die evangelische Christin. „Wie geächtete Selbstmörder“ seien die Evangelischen am Rand des katholischen Friedhofs begraben worden. Mal sei ihnen die Benutzung der katholischen Kirche für Gottesdienste erlaubt worden, mal auch wieder nicht. Von einer „Willkommenskultur“ konnte kaum die Rede sein.

„Wir mussten uns strecken und anpassen“, betont Häring. Gemeinsam habe man es damals irgendwie geschafft. Bürgermeister Kleinmann habe sich schließlich sehr dafür eingesetzt, dass im heutigen Barkhofgebiet die Siedlungshäuser gebaut werden konnten.

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3 Responses to „Freiwillig wären wir nie gegangen“

  1. H.-J. Zentner says:

    Wieder was gelernt. Damals hat keiner applaudiert als die Vertriebenen Richtung Westen mussten, wie mir meine Mutter berichtete. Auch gab es keine neuen Wohnungen, Baraken war angesagt, da wurde ich auch geboren.

  2. Gisela Barry says:

    Wir kamen als Katholiken bei den Evangelischen an. Die wollten uns auch nicht.

  3. Waffenstudent says:

    Klassenkampf 1945 – Einheimische gegen Vertriebene:

    PROLOG:

    Anno 44/45 schaffte man die Westdeutschen aus den Städten, welche von den Bombern der Intrigeninsel zum Brandopfer werden sollten in den Deutschen Osten! Über Beschwerden über diese Zuwanderung hat man von Sudetendeutschen und Schlesiern damals nie etwas gehört! Wir selbst hatten Ende 44 im kargen Westerwald Einquartierungen von einer Kölner Familie, ohne Ehemann, die per „Intrigenisel-Befreiung“ ihre Wohnung verloren hatten. So kamen auf Befehl Katholiken zu Protestanten, Und dennoch gab es keine Probleme! Wir alle rückten zusammen und teilten Sorgen und das bescheidene tägliche Brot. Die Kinder gingen gemeinsam in die Schule und die Erwachsenen gemeinsam zu ihrem Tagewerk!

    ABER DANN:

    Kamen langsam die Rheinländer, welche man im Osten vor den Mord-Bombern in Sicherheit gebracht hatte, ungewollt als Vertriebene in ihre Heimat zurück! – Gut, nicht alle durften zurück; denn die französische Zone, weigerte sich bis 1953! Dazu muß man wissen, daß der Franzose für seinen befreiten Deutschen maximal 800 bescheidene Tageskalorien zugeteilt hatte! – Unter diesen erbärmlichen Umständen wurden zusätzliche Kostgänger überhaupt nicht als „Bereicherung“ gesehen! Das war 1945/46 ganz anders als heute!

    BEFREIT MIT 800 TAGESKALORIEN

    Im Juni 1946 erhielten die deutschen Normalverbraucher in der britischen Zone 1050, in der amerikanischen 1270 und in der französischen Zone sogar nur 880 Kalorien. (Nach einer Völkerbundrechnung benötigt ein nicht arbeitender Mensch täglich 2400 Kalorien.)

    Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41121577.html

    NACHTRAG:

    Gut, heute sollen wir die Mär mit den täglichen 800 Kalorien glauben; denn von der wahren Nachkriegsrealität will man gerne ablenken. In Wirklichkeit lag die Durchschnittsversorgung weit unter den 800 Kalorien; denn für viele, Gefangene und sogenannte Nazis gab es gar nix! Ohne den Vorrat an Lebensmitteln, den man sich früher für Notzeiten selbst zulegte, wäre es unter dem netten Franzmann zu einem gewaltigen Massensterben gekommen. Wer erinnert sich noch an die Tausende von Kindergräber in der französischen Zone? Wohl kaum jemand; denn diese hat man ganz schnell politisch korrekt eingeebnet!

    DER BEFOHLENE KLASSENKAMPF:

    Als man bei den Angloamerikaner bemerkte, daß die Russen gar nicht daran dachten, die ihnen von der Intrigeninsel zugedachte Rolle eines Befehlsempfängers anzunehmen, sondern, daß die Russen einen ganz eigenen politischen Kreativismus entwickelten, da waren die Angloamerikaner völlig ratlos! – Vor allem hinsichtlich ihrer Bevölkerungspolitik.
    Zunächst hatte die Intrigeninsel gehofft, durch die bereits 1848 in Prag per Panslawismuskongress geforderte und dann 1944 auf Jalta beschlossene Vertreibung aller Deutschen, welche östlich der Linie Stettin-Triest lebten, ein völkisch homogenes Polen zu schaffen, welches wie 1939 nach der angloamerikanischen Pfeife tanzen werde! – Völlig unerwartet kam es für die Intrigeninsel ganz anders!

    DIE WENDE DER ANGLOAMERIKANER:

    Und damit verwandelte sich die zunächst im großen Stil in allen angloamerikanischen Medien gefeierte sogenannte humane und geordnete Übersiedlung aller Deutschen östlich der Linie Stettin-Triest, welche ganz freiwillig ihre Heimat verlassen wollten, urplötzlich in ein Verbrechen von Väterchen Stalin.

    DER WILLKÜRLICH GESCHÜRTE HASS:

    Auf einmal dämmerte der Intrigeninsel, daß Rußland östlich des „Eisernen Vorhangs“ Struktur und Richtung der Politik bestimmte, und daß die Angloamerikaner hier vom politischen Gestalter zum einfachen Zuseher wurde. – Darum war in den Augen der Intrigeninsel auf einmal die von Herrn Weinstein Kirchhügel 1944 höchstpersönlich geforderte Vertreibung der Deutschen aus dem Osten urplötzlich ein Verbrechen!

    UND DANN GING ES LOS:

    Die Angloamerikaner setzten auf deutsche Tugenden und hofften, daß Deutsche, die im Osten verblieben oder dorthin zurück gekehrt, Ostpreußen, Pommern, Schlesien oder den Sudetengau wie die Freikorps nach dem Versailler Diktat 1919 ihre Heimat mit Waffengewalt verteidigen werden.

    Diese angloamerikanische Hoffnung und dieser Intrigeninsel-Plan von 1946 wurde dann in den Besatzungszonen-West zur weiteren Umerziehungsdoktrin! – Spontan wurden ehemalige deutsche Volksgenossen, mit denen man 45/46 brüderlich teilte, zu lästigen Kostgängern. – Eine ganz erbärmliche Rolle nahmen dabei die deutschen evangelischen Christen ein! Davon hatte nämlich eine im Sinne des „Deutschen Reiches“ kriminelle Unterabteilung, ohne jede Legitmation, einfach ein kollektives Blanko-Schuldbekenntnis bei der Intrigeninsel samt 1945-ern Befreiern testiert. – Damit waren Deutsche immer die Schuldigen, auch ihre völlig unschuldigen Heimatvertrieben

    https://de.wikipedia.org/wiki/Stuttgarter_Schuldbekenntnis

    Urplötzlich lautete die politische Parole in Deutschland-West:

    „Ostdeutsche sollen in Ihrer Heimat bleiben und dorthin zurückkehren, um russische Interessen zu bekämpfen!“

    STILLES GEDENKEN:

    Den Ermordeten und
    Gefallenen, welche sich diesbezüglich von der CIA-Anwerben ließen. Ach ja, natürlich muß die Frage nach den Gründervätern der Vertriebenverbänden erlaubt sein! – Ich denke, daß sie ganz gezielt von der Intrigeninsel ins Leben gerufen wurden!

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