»10. Deutsch-Polnische Kommunalpolitische Kongress« in Allenstein

Mit einer Rekordteilnehmerzahl startete am vergangenen Sonnabend der „10. Deutsch-Polnische Kommunalpolitische Kongress“ der Landsmannschaft Ostpreußen. Rund 65 Teilnehmer trafen sich in Allenstein [Olsztyn], um sich zwei Tage lang intensiv mit dem Thema „deutsch–polnische Erinnerungsorte“ auseinanderzusetzen. Zusammengefunden hatten sich im Kongress-Saal des Hotels Warminsky Landräte, Bürgermeister, Kreisvorsitzende und Vertreter der Deutschen Minderheit.
Fünf Vorträge standen auf dem Programm des Kongresses, der finanziell vom Bundesminister des Inneren unterstützt wurde. Den Anfang machte Ewa Maria Gladkowska. Die Kunsthistorikerin an der Universität Ermland und Masuren betonte in ihrem Beitrag, dass die Erinnerung allgegenwärtig sei. In Wirtschaft, Politik und Alltagsleben sei das kulturelle Erbe Ostpreußens präsent. Gleichzeitig sei aber auch das „Vergessen die offizielle Narration Polens“.
Auf besonders beeindruckende steinerne Erinnerungsorte verwies Professor Christofer Herrmann von der Universität Danzig. Er referierte über die Backsteinarchitektur im Ostseeraum und betonte, wie sehr die ganze Region von dieser Bauweise geprägt sei. Zu welchen imposanten Bauwerken die roten Ziegel genutzt werden können, zeigten seine Ausführungen über die Marienburg.
Hochaktuell war der Vortrag Anna Zubschitzkas (rechts im Bild) von der Polizeihochschule in Ortelsburg. Die Wissenschaftlerin beschrieb die heikle Neuordnung der polnischen Polizei nach 1989. Es galt, die Vertreter des kommunistischen Unterdrückungsapparates in bürgerfreundliche Gesetzeshüter umzuwandeln.
Ein ausgeprägter Meinungsaustausch schloss sich jedem Beitrag an. „Weil wir strittige Themen diskutieren, weil wir uns austauschen, kommen wir gemeinsam voran“, erklärte denn auch Gottfried Hufenbach, der stellvertretende Sprecher der Landmannschaft Ostpreußen in seinem Schlusswort. Lesen Sie den ausführlichen Bericht dazu in der nächsten Ausgabe der PAZ.

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One Response to »10. Deutsch-Polnische Kommunalpolitische Kongress« in Allenstein

  1. Waffenstudent says:

    Das Schicksal der Oderschiffer

    Die Tragödie einer großen Flotte – Verschollen und vergessen

    Im Stromgebiet der Oder, unmittelbar an den Ufern ihres 650 Kilometer langen Laufes, von
    Cosel bis Stettin schiffbar, lebten etwa 10 Millionen Menschen. Vom Verlassen der Städte,
    als diese dahinsanken in ihrem Brandschutt, berichten viele Chroniken. Nur wenig hört und
    weiß man vom Schicksal der Oderschiffer, die meist in den Dörfern wohnten. Wohin hat sie
    vor über fünfzig Jahren der Sturm vom Osten verweht, und was ist aus den Kähnen und
    Dampfern geworden, die einst das Bild des Flusses stromauf und stromab so malerisch
    belebten?
    Nur etwa dreihundert Oderkähne bzw. Dampfer sind damals in den Westen gerettet worden.
    Das sind aber nur zehn vom Hundert aller Schiffe, die vor Kriegsende den Strom befuhren,
    mit oberschlesischer Steinkohle, mit Getreide und Holz meist talwärts, mit schwedischen
    Erzen meist flußaufwärts. Über die restlichen Neunzehntel aber senkt sich der Vorhang
    einer Tragödie, deren Schauplatz bis tief in den Osten reicht. Es wird wahrscheinlich
    niemals möglich sein, dies Schicksal genau zu beschreiben. denn es gibt keine authentischen
    Zahlen und Daten. Vielleicht übersteigt es auch menschliche Darstellungskraft, die
    ungeheuerlichen Ereignisse, die sich einsam und verloren abspielten, in Sätzen
    auszudrücken. Soviel nur ist sicher, daß 1945 viele hundert Kähne zerstört und von der Oder
    verschleppt worden sind.
    Etwa zweihundert Kähne fuhren auf der Oder unter anderer Flagge. Die vielen anderen
    tausend Schiffe wird keine Statistik erfassen, die „Totenschiffe“, die während der
    Kriegshandlungen auf der Oder ausbrannten, oder die, für Königsberg bestimmt, über
    Swinemünde in die Ostsee hinaustrieben, von denen die meisten kenterten oder untergingen
    „mit Mann und Maus“. Niemand zählt auch die Schiffer selbst, die unterwegs oder in
    Königsberg oder auf dem Binnenwege dahin an Hungertyphus starben, unbekannt,
    namenlos.
    Nur das Bild der Oderschiffahrt ist erhalten geblieben, in bunter Lebendigkeit, dem man
    sich seIbst zugehörig fühlte als Zuschauer von den Oderbrücken in Oppeln, in Breslau,
    Glogau, Crossen, Frankfurt (Oder), Küstrin. Ganz verloren war man in den Anblick der
    Schiffe. In langen Schleppzügen kamen sie heran, kippten den rauchenden Schornstein
    zurück, verschwanden dann unter der Brücke, und an der anderen Seite, wohin man schnell
    hinüberging, tauchten sie wieder auf und fuhren, von schwerer Ladung tief im Wasser
    liegend, davon. Buntfarbig leuchteten ihre Rümpfe, bunt waren auch die Blumen, die in
    Holzkisten über der Kajüte den ganzen Sommer blühten. Und während die Schiffsfrau
    unbekümmert ihre Wäsche an die Leine hängte, bellte ein Hündchen zu den Menschen auf
    der Brücke hinauf.
    Stolze Namen hatten die Dampfer, “Neptun“, „Merkur“ oder auch Städtenamen „Breslau“,
    „Glogau“, „Ratibor“, „Oppeln II“. Dahinter kamen die Kähne, die Lastenträger der Schif-
    fahrt; sie trugen meist nur die Namen ihrer Besitzer, manchmal auch hübsch poetisch
    irgendeinen Mädchennamen. Klein und bescheiden lautete ihre Firmierung, denn sie waren
    keine großen Reeder, aber doch angesehene Schiffseigner-Familien, lange, alte
    Geschlechter unter den Oderschiffern, die sich mühsam und sparsam zu Schiffsbesitzern
    heraufgearbeitet hatten. Diese Schiffseigner waren meist gleichzeitig auch Bauern, Männer
    am Steuer wie am Pflug. Ihr Ziel, das sie endlich erreichten, war immer Wohlstand zu
    Wasser und zu Lande. Sie liebten die feste Erde, die Uferwiesen und Äcker am Strom, doch
    ihre Sehnsucht galt dem Wasser, das sie zu gewinnen und zu beherrschen wußten, von
    Schiffsjungen mit leerer Hosentasche bis zum Schiffseigner oder gar Werftbesitzer.

    In Datteln im westdeutschen Kanalgebiet, in Dortmund, Emden, Wesel, Hamm und
    Duisburg-Ruhrort hört man zuweilen unverkennbar schlesische Laute. Manch alter Oder-
    Käpt`n hat dort wieder anfangen müssen als einfacher Bootsmann oder Maschinist. Aber die
    Kanäle des Rhein-Ruhr-Gebietes sind künstliche Flüsse und heimeln die Oderschiffer wenig
    an, besonders, wenn sie daheim auch noch Bauer gewesen sind. Ihr Schiff von einst, ihr
    Haus und Dorf und die heimisch-ländliche Fülle, dies alles tragen sie im Gemüt, und sie
    kennen die ganze Reihe der Schifferdörfer am Oderstrom, und sie wissen ihre Namen noch
    auswendig, die schlesischen, die brandenburgischen und die pommerschen von Coselhafen
    bis Stettin, und sie hüten sie wie kostbare Perlen, die man am schimmernden Bande
    aufgereiht sieht.

    Quelle: Zeitungsausschnitt-50Jahre-LV-Bayern

    Schleppzug auf der Oder

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    Quelle: http://auras-uraz.npage.de/die-oderschifffahrt/die-oderschiffer.html#top

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