Paul von Hindenburg – Befreier Ostpreußens – Reichspräsident

hindenburg012. August 1934 – Paul von Hindenburg schließt seine Augen für immer.  Heute wollen wir seiner gedenken

Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg entstammte väterlicherseits einem alten ostpreußischen Adelsgeschlecht, der Familie von Hindenburg. Er wurde 1847 als Sohn des preußischen Offiziers und Gutsbesitzers Hans Robert Ludwig von Beneckendorff und von Hindenburg (* 21. Mai 1816 auf Gut Neudeck; † 16. April 1902 ebd.) und seiner bürgerlichen Ehefrau (∞ 17. Oktober 1845 zu Posen) Luise Schwickart (* 21. April 1825; † 5. August 1893) geboren.
Unter seinem Kommando wurde die nach Ostpreußen eingedrungene russische Narew-Armee in einer klassischen Umfassungs- und Vernichtungsschlacht, die vom 26. bis zum 30. August 1914 andauerte, geschlagen. So befreiter er Ostpreußen vor den russischen Agressoren.
Am 26. April 1925 wurde Hindenburg im zweiten Wahlgang im Alter von 77 Jahren als Nachfolger Friedrich Eberts zum Reichspräsidenten gewählt und am 12. Mai vereidigt.

Folgender Artikel der JUNGEN FREIHEIT zeichnet ein treffendes Bild Hindenburgs:

Letztes Hindernis vor dem Führerstaat

Von Hans-Joachim von Leesen


Am 4. Juni 1934 bringt ein Sonderzug den Reichspräsidenten Paul von Beneckendorff und von Hindenburg aus Berlin auf sein Gut Neudeck in Westpreußen. Es geht dem 86jährigen nicht mehr gut. Er hatte über Herzbeschwerden geklagt. Eine notwendige Operation war wegen des fortgeschrittenen Alters nicht mehr ratsam. Bis zum letzten Tag hatte er seine Dienstgeschäfte wahrgenommen, aber in Neudeck würde er mehr Ruhe und Pflege finden.

Am 30. Juli trifft Adolf Hitler, der seit einem halben Jahr das Amt des Reichskanzlers wahrnimmt, mit dem Flugzeug in Neudeck ein, um sich von dem sterbenden Generalfeldmarschall und Reichspräsidenten zu verabschieden, der auch seinerseits den Wunsch geäußert hatte, den Reichskanzler noch einmal zu sprechen. Sie führen ohne Zeugen ein längeres Gespräch. In den letzten Tagen lebt Hindenburg in der medizinischen Obhut von Geheimrat Professor Ferdinand Sauerbruch. Am 2. August 1934 sinkt die Präsidentenflagge auf Gut Neudeck auf halbmast.

Paul von Hindenburg wurde zweimal vom Volk gewählt

Paul von Hindenburg war nach dem Ersten Weltkrieg in das Amt des Reichspräsidenten gewählt worden, das einzige Staatsoberhaupt übrigens, das in der Weimarer Republik vom Volke gewählt worden war, das erste Mal 1925 im zweiten Wahlgang als Kandidat der Deutschnationalen Volkspartei, der rechtsliberalen Deutschen Volkspartei und der Bayerischen Volkspartei, das zweite Mal 1932, diesmal nominiert von der SPD und der katholischen Zentrumspartei. Als diese beiden an ihn herantraten, wehrte er ab und wies auf sein hohes Alter.

Reichskanzler Brüning vom Zentrum wies aber darauf hin, daß bei seiner Weigerung in Ermangelung eines volkstümlichen Kandidaten der bürgerlichen Parteien Hitler oder Göring zum Staatsoberhaupt gewählt werden könnten. So erklärte sich Hindenburg bereit und gewann im zweiten Wahlgang. Die Sozialdemokraten setzten auf ihn, weil er sich als zuverlässig verfassungstreu erwiesen hatte, obgleich er in seinem Herzen sicherlich eher der Monarchie zuneigte.

Daß die parlamentarische Demokratie funktionsunfähig wurde, daran hatte der Reichspräsident keinen Anteil, wohl aber die Parteien, an der Spitze die SPD. Sie stürzte 1930 ihren Reichskanzler Hermann Müller, weil sich die Parteien nicht über die Höhe der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung einig werden konnten, und verhinderte fast drei Jahre lang parlamentarische Mehrheiten, um einen neuen Reichskanzler zu wählen. Und das inmitten der Weltwirtschaftskrise, die die Arbeitslosenzahlen in die Höhe und die deutsche Wirtschaft in den Abgrund trieb!

So blieb dem Reichspräsidenten, der die ihm vorgelegten Staatsstreichpläne des Reichskanzlers von Papen wie auch dessen Nachfolger, des General von Schleicher, als Verfassungsbruch ablehnte, nichts anderes übrig, als Adolf Hitler als einzigen Kandidaten zum Kanzler zu ernennen, der im Reichstag eine parlamentarische Mehrheit erreichen konnte. Diese Zwangslage, in die ihn nicht zuletzt die SPD gebracht hatte, dem Reichspräsidenten zum Vorwurf und als Begründung für die heutigen Diffamierungen mit Umbenennungen von Straßen und Schulen zu machen, überschreitet die Grenze zur Infamie.

„Hervorragend tüchtiger Generalstabsoffizier“

Die Kräfte, die heute die Erinnerung an den Generalfeldmarschall und Reichspräsidenten beseitigen wollen, können sich mit ihren Vorwürfen nicht auf die wissenschaftliche Forschung berufen. Man weiß längst, daß Hindemburg nicht nur von überragender Intelligenz war, sondern sich auch durch Charakter und Willensstärke auszeichnete. Natürlich war er kein „moderner“ Menschentyp; er war bis auf den Grund seiner Person konservativ und ruhte im Wertesystem seiner Zeit. Mit 28 Jahren wurde er 1875 auf drei Jahre nach Berlin kommandiert, um in die „Kriegsakademie“ aufgenommen zu werden.

Sie sollte für den Dienst im Generalstab vorbereiten; Offiziere, die im Dienst besonders aufgefallen waren, sollten in der „Kriegsakademie“ zu gebildeten, selbständig denkenden und handelnden Führern erzogen werden. Am Ende dieses Studiums, das er mit der Note „sehr gut“ abschloß, wurde ihm in der geheimen Beurteilung bestätigt, er werde „überall Vortreffliches leisten“ und eigne sich „vorzugsweise für eine Kommandierung zum Generalstab“.

Generalquartiermeister Graf Waldersee, Nachfolger des „großen Schweigers“ Helmuth von Moltke als Chef des Generalstabes, urteilte 1887 über den 39 Jahre alten Major von Hindenburg, er sei ein „hervorragend tüchtiger Generalstabsoffizier“ und eigne sich schon jetzt zum Chef des Generalstabes.

Es war also kein Zufall, daß Hindenburg, der 1911 seinen Abschied erbeten hatte und als Pensionär in Hannover lebte, 1914 zum Oberbefehlshaber der 8. Armee in Ostpreußen ernannt wurde, nachdem es der russischen Armee dank ihrer starken Überlegenheit gelungen war, weite Teile von Ostpreußen zu erobern. Ihm und seinem Generalstabschef Erich Ludendorff gelang es, innerhalb kürzester Zeit die beiden russischen Armeen zu vernichten und Ostpreußen zu befreien.

Der bis dahin in Deutschland unbekannte Offizier, im November zum Generalfeldmarschall befördert, wurde in den Augen der Deutschen zum Retter auch in schwierigsten Notlagen. Der so errungenen Popularität verdankte er auch die Erfolge, als er sich den Wahlen zum Reichspräsidenten stellte.

Er war auch 1933 keineswegs altersschwach

Frühere Anwürfe, nach denen Hindenburg nichts als ein mittelmäßiger und dazu noch unpolitischer Offizier gewesen sei, konnten wissenschaftlich  keine Bestätigung finden. Eine neuere umfangreiche Hindenburg-Biographie des 49jährigen Inhabers des Lehrstuhls für Zeitgeschichte an der Universität Stuttgart, Wolfram Pyta, bestätigt hingegen, daß der Reichspräsident „nie eine Marionette“ in der Hand anderer war; sehr wohl habe er politische Grundsätze gehabt, die er mit Nachdruck verfolgte.

Für ihn war die größte Sorge, daß nach dem verlorenen Weltkrieg auch angesichts des in aller Schärfe aufgeflammten Klassenkampfes die Einheit des Deutschen Reiches gefährdet werden könnte.  Pyta vertritt die Ansicht, daß Hindenburg stärker als Politiker denn als Militär gewirkt hat und das nicht zuletzt aufgrund des Charismas, das ihn umgab. „Er hatte stets einen sicheren Instinkt für Macht, für Herrschaft, übrigens auch für Geschichtspolitik, und er war auch 1933 keineswegs altersschwach“, so Pyta.

Wohl überall in Europa wäre eine Persönlichkeit wie der vor 75 Jahren gestorbene Generalfeldmarschall und Reichspräsident von Hindenburg eine allgemein verehrte historische Gestalt. Nachdem die Sarkophage Hindenburgs und seiner Gemahlin von der Wehrmacht 1945 rechtzeitig vor der Roten Armee aus dem ostpreußischen Tannenberg-Denkmal in ein thüringisches Salzbergwerk in Sicherheit gebracht werden konnten, wurden sie dort von der US-Armee entdeckt und nach Marburg gebracht. Dort fanden sie in der St. Elisabethkirche ihren würdigen Platz.

JF 31-32/09

Hier nun Bilder von seiner Beisetzung

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One Response to Paul von Hindenburg – Befreier Ostpreußens – Reichspräsident

  1. Waffenstudent says:

    Der Kampf um Ostpreußen, Flucht und Vertreibung

    Dieser Text stellt die Schrecken und Nöte des Zweiten Weltkrieges in Ostpreußen dar, aber auch den unerschrockenen Mut der deutschen Soldaten gegen feindliche Übermacht. Die Fakten stammen aus verschiedensten Quellen:

    Die Verteidigung ihrer Heimat war den Ostpreußen Herzenssache. Ostpreußen hat buchstäblich das Letzte an Gut und Blut für das Vaterland geopfert. 1945 starb von den 2,6 Millionen Einwohnern Ostpreußens jeder fünfte. Gemessen an Westdeutschland, das seit Jahren den verheerenden Luftangriffen ausgesetzt waren, bildete Ostpreußen bis Sommer 1944 eine Oase des Friedens. So war es nicht verwunderlich, dass viele Westdeutsche bei ihren Verwandten und Freunden in Ostpreußen Ruhe und Schutz fanden. Im Frühjahr 1944 kam es zum Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte, am 21.07.44 standen 16 deutsche 160 russischen Divisionen gegenüber. Die erste Folge des Vorrückens der Russen war die Flucht der Westdeutschen in ihre Heimat. Instinktiv fühlten sie, dass es ratsamer sei, sich in die bombengefährdeten Gebiete zu begeben, als den Sowjets in die Hände zu fallen. In der Nacht vom 26./27. August griff ein britisches Bombergeschwader Königsberg an. Brandstürme, denen viele der Flüchtenden zum Opfer fielen, tobten durch die Straßen. Es wurden nur Wohnviertel bombardiert, so dass man von einem Terrorangriff sprechen muss. Fast alle kulturell wertvollen Gebäude mit ihrem unersetzbaren Inhalt wie Dom, Schlosskirche und Universität wurden ein Raub der Flammen. Die Zahl der Toten betrug 3.500, 150.000 wurden obdachlos. Die Industrieviertel beiderseits des Pregels, der Hafen und der Hauptbahnhof, also die militärisch wichtigen Gebiete, sind nicht bombardiert worden, wie in so vielen deutschen Städten. Am 02.09.44 war Finnland erlegen, so dass die russischen Truppen sich nunmehr auf Deutschland konzentrieren konnten. Am 07.10.44 wurde die Räumung des Memellandes empfohlen. Die Bevölkerung befolgte den Aufruf nur zögernd. Wer klammert sich nicht bis zuletzt an die Heimat? Wer verlässt gerne seinen Hof, auf dem die Vorfahren oft seit Jahrhunderten gelebt haben. Wer gibt Hab und Gut auf und zieht einer ungewissen Zukunft entgegen? Durch dieses Zögern kam es bei dem plötzlichen tiefen Einbruch der Russen zu einer planlosen, überstürzten Flucht. Vielen glückte die Flucht nicht. Die Sowjets plünderten, vergewaltigten und ermordeten viele. Fast ein Drittel der ländlichen Bevölkerung fiel den Russen in die Hände und musste das schreckliche Los der Verschleppung erdulden. An der Front kämpften die deutschen Soldaten mit bewunderungswerter Haltung um Zeitgewinn, damit die Bevölkerung sich retten konnte. Die Divisionen, in einzelne Kampfgruppen zerteilt, klammerten sich zäh und verbissen an einzelne Gebäudeabschnitte und gingen erst zurück, wenn der Feind sie links und rechts überholt oder gar eingeschlossen hatte. Dann mussten sie sich durchschlagen. Wegen dieses Heldenmutes brach der sowjetische Angriff am 24.10.44 zunächst zusammen. Einige Gebiete konnten sogar zurückerobert werden. Am 03.11.44 hatten die Russen auf 150 km Breite ostpreußischen Boden gewonnen. Mit Sorge und Schmerz sah jeder deutsche Soldat, dass der Feind deutschen Heimatboden betreten und dem Verteidiger trotz höchster Pflichterfüllung die Kraft fehlte, ihn nach Russland zurückzuwerfen. Im Westen waren Frankreich und Belgien verloren. Nur noch in Holland standen deutsche Truppen, dagegen alliierte Truppen im Raum Aachen bereits auf deutschem Gebiet. Italien hatten die Westmächte zum Teil besetzt. Unser Bundesgenosse kämpfte auf des Gegners Seite. Auch unser ehemaliger Bundesgenosse Bulgarien hatte uns den Krieg erklärt. Im Westen warfen alliierte Bomber täglich ihre Tod bringende Last auf deutsche Städte. Der englische General Fuller bezeichnete diese Terrorangriffe, insbesondere auf Hamburg und Dresden, als erschreckende Schlächterei, die selbst für einen Attila eine Schande gewesen wäre. Am 18.01.45 begann der Endkampf um Ostpreußen. Einzelne Kampfgruppen klammerten sich bis zur letzten Patrone an den Heimatboden, um der Bevölkerung Zeit zur Flucht zu verschaffen. An den Straßenrändern saßen Frauen und Kinder, auf Schlitten den Rest ihrer Habe mitschleppend, und warteten mitgenommen zu werden. Die Wehrmacht half, wo und wie sie konnte. Bei minus 30 Grad verließen am 28.01.45 die letzten deutschen Soldaten die Stadt Memel. Die eigenen Verluste waren so groß, dass verschiedene Divisionen nur noch aus Resten bestanden. Die Ostfront fiel wie ein Kartenhaus zusammen. Um so höher war die Haltung der Einheiten zu bewerten, die fest in der Hand ihrer Führer tapfer kämpften und sich den Russen entgegenwarfen, ihre Pflicht auch in aussichtsloser Lage erfüllend. Lobend seien auch die französischen und belgischen Kriegsgefangenen erwähnt, die sich so eingesetzt hatten, als ginge es um ihr eigenes Vaterland. Die 2. Armee konnte mit ihren nur noch schwachen Kräften den Angriff der Russen höchstens verzögern, nicht aufhalten. Trotzdem hielten Tausende tapferer Soldaten aus und wehrten sich bis zum bitteren Ende gegen die Übermacht des Gegners, um Frauen und Kindern Zeit für die Flucht zu erkämpfen. Den 23.01.45 kann man zurecht als schwarzen Tag Ostpreußens bezeichnen. Es war den Russen gelungen, Ostpreußen vom Rest Deutschlands abzuschnüren. Von allen Seiten kam der Feind. Die Menschenmassen gingen in alle Himmelsrichtungen, fuhren gegeneinander, es entstand ein Chaos. Schließlich kam der Gedanke auf, über das zugefrorene Haff Richtung Danzig zu gelangen. Vielen glückte bei starkem Frost und eisigem Schneesturm der Marsch über das Haff. Viele Alte und Kinder blieben erfroren am Wege liegen. In hellen Scharen flohen die Menschen, um das rettende Reich zu erreichen. Die Russen schossen mit Stalinorgeln in die Menschenmassen. Man sah entsetzliche Szenen. In einzelnen Dörfern, die wir zurückeroberten, fand man Russen in den Betten der von ihnen vergewaltigen und ermordeten Frauen. Russen hatten Kinder mit Panzern zu Tode gewalzt, Männer wurden mit Benzin übergossen und verbrannt. Darum musste weiter gekämpft werden, jedes Stückchen Erde musste verteidigt werden, um der Bevölkerung Raum und Zeit zur Flucht vor den Sowjets zu verschaffen. Jeder hatte gesehen, wie die Sowjets mit den Menschen umgingen und sie abschlachteten. In langen Trecks zogen die Zivilisten nach Westen. Viele konnten sich von ihrer Heimat, ihren Häusern mit ihren Bildern, Möbeln und Erinnerungsstücken nicht trennen. Oft brausten russische Flugzeuge über die Flüchtlingstrecks hinweg, warfen Bomben und schossen auf die Fliehenden. Am 21.01.45 läuteten die Glocken in Insterburg Sturm. Immer näher hörte man den Gefechtslärm. Am Spätnachmittag brausten Lastkraftwagen der Wehrmacht heran. Diese nahmen in großer Eile, die Russen dicht auf den Fersen, die Menschen von der Straße auf, für die Mitnahme des Gepäcks fehlte die Zeit. Am 05.03.45 fiel Stettin. Wer bis dahin nicht die Oder erreicht hatte, konnte auf dem Landweg den Russen nicht mehr entgehen. In Westpreußen und Schlesien begann die Vertreibung. Die Alten gingen mit stumpfem, hoffnungslosem Blick, die bleichen Frauen mit tief liegenden Augen, die Kinder mit alten Zügen, die furchtbaren Bilder tief ins Herz gegraben. Der letzte Zug verließ Königsberg am 30.01.45. Die Russen stoppten ihn westlich der Stadt. Wie wilde Tiere hausten die Russen. Wer konnte, floh nach Königsberg zurück, das zu einer Festung geworden war. An der Küste stauten sich die Flüchtlinge und bildeten für russische Tiefflieger ein leichtes Ziel. Ein furchtbares Los erwartete die, die den Russen in die Hände fielen. Die Männer wurden erschlagen, zuerst die, die sich schützend vor ihre Frauen stellten. Die Russen ermordeten selbst französische Kriegsgefangene. Wahllos erfolgten Verschleppungen nach Russland. Wer den endlosen Marsch in die Gefangenschaft nicht durchhielt, den erlöste eine Kugel von seinem Elend. Bis zu 50% der verbliebenen Bevölkerung wurden verschleppt. Die einzige Rettung waren Schiffe nach Westen. Unermüdlich bemühte sich die Marine, die Flüchtlinge zu retten. Alle vorhandenen Schiffe wurden eingesetzt. Erst am 09.05.45 um 0:00 Uhr stach das letzte Schiff im deutschen Osten zur See. Am 30.01.45 legte der KdF Dampfer Wilhelm Gustloff von Gotenhafen ab. An Bord waren 5.000 Menschen. Um 21:00 trafen drei russische Torpedos das Flüchtlingsschiff. Das Schiff legte sich backbord über. Panik brach aus, wer fiel, wurde niedergetreten. Alles schrie und wollte an Deck. Furchtbare Szenen! Kampf um Rettungs- und Schlauchbote. An der schräg liegenden Gustloff klammerten die Menschen wie Fliegen. Viele schwammen im eiskalten Wasser, Notraketen stiegen in den Himmel. Gurgelnde Hilfeschreie Ertrinkender. Dreimal heulte das Nebelhorn, kenternd sank die Gustloff. Über 4.000 Menschen starben, viermal so viel wie bei der Titanic. Aus Pillau stach die „Steuben“, durch das Rote Kreuz als Lazarettschiff kenntlich gemacht, mit 3.000 Mann in See. Am 10.02.45 wurde das Schiff durch russische Torpedos getroffen und riss 2.700 Menschen in den Tod. Neben vielen anderen kleinen Schiffen war der Untergang der Goya am 16.04.45 die größte Katastrophe der Seefahrt. Zwei Torpedos trafen das Schiff. Es brach mittschiffs auseinander und riss 5.220 Menschen in den Tod, nur 165 konnten gerettet werden. Diese drei Schiffe hatten rund 16.000 Menschen in die Tiefe gerissen. Indessen lagen zwischen dem Untergehen der Wilhelm Gustloff und der Goya immerhin 10 Wochen, in denen Hunderte von Überfahrten glückten und Hunderttausende gerettet wurden. Am 04.03.45 hatten die Sowjets Köslin erobert. Während die letzten Schiffe mit 18.310 Menschen die Molen verließen, feuerten sowjetische Panzer vom Stadtrand. Und unter dieser Zusammenballung luden die 700 Bomber der amerikanischen Luftflotte ihre tödliche Last ab, denen sieben Flüchtlingsschiffe zum Opfer fielen. Trotz weißer Flaggen wurden die Schiffe mit Phosphorbomben angegriffen, brannten aus und kenterten. Die letzten drei Tage gipfelten in einer konzentrierten Rettungsaktion aller noch vorhandenen Kräfte. Während aus Swinemünde am 5. Mai die letzten 27.000 Mann entkamen, hielt Hela den Rekord, wo alleine am 6. Mai 1945 43.000 Flüchtlinge abgeholt werden konnten und in letzter Stunde nochmals 20.000 Flüchtlinge und Soldaten. Aber um alle zu evakuieren reichte die Zeit nicht mehr aus. Als mit der bedingungslosen Kapitulation alles stillstand, gab es auf Hela noch etwa 60.000 Flüchtlinge und Soldaten, an der Weichselmündung rund 40.000. Die Armee Ostpreußens ergab sich mit 150.000 Mann, die Heeresgruppe Kurland kapitulierte mit 208.000 Mann. Demgegenüber wurden drei Millionen Menschen evakuiert und nach Westen gebracht. 1944 lebten insgesamt 12 Millionen Deutsche östlich der Oder-Neiße-Linie. Am 18.10.44 hatte Hitler zur Bildung des Volkssturm aufgerufen: „Es muss uns gelingen, nicht nur den Vernichtungswillen der Feinde zu brechen, sondern sie wieder zurückzuwerfen und so lange vom Reich abzuhalten, bis ein die Zukunft Deutschlands, seiner Verbündeten und damit ein Europa sichernder Friede gewährleistet ist.“ Glücklich waren diejenigen, die hilfsbereite französische und belgische Kriegsgefangene zur Unterstützung hatten. Diese hatten dort über Jahre in den Betrieben gearbeitet. Als die Stunde der Flucht kam, entschlossen sich viele, mit den Deutschen nach Westen zu ziehen, anstatt sich von den russischen Soldaten „befreien“ zu lassen. Das DRK und die NSV taten, was sie konnten, um zu helfen. Viele, die alle Strapazen der Flucht überstanden hatten, starben unter den Bombenteppichen der angloamerikanischen Bomberverbände. Der verheerendste Angriff ereignete sich in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 auf Dresden. Die schöne Barockstadt war mit etwa 600.000 schlesischen Flüchtlingen vollgestopft. Sie hatten kampiert, wo immer es möglich war, und hofften, in Dresden nur so lange zu bleiben, bis sie nach Schlesien zurückkehren konnten. In den mehr als fünf Kriegsjahren war Dresden von Luftangriffen verschont geblieben, gewiss nicht aus humanitären Erwägungen, sondern weil hier keine wichtigen militärischen Objekte einen Angriff rechtfertigten. Um 22 Uhr erschien über Dresden eine Wolke britischer Bomber. Insgesamt waren 1.400 britische Flugzeuge beteiligt. Und als ob dies nicht genug wäre, warfen am nächsten Mittag noch 450 amerikanische Flugzeuge Bomben ab. Die begleitenden P-51 Jäger griffen im Tiefflug die Menschen auf den Straßen und die auf den Elbwiesen rastenden Flüchtlinge an. Bis zu 135.000 Menschen starben. Gerhart Hauptmann, der schlesische Dichter aus dem Riesengebirge sah die brennende Stadt und sagte in Tränen: „Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang Dresdens.“ Aber nicht nur in Dresden, sondern in vielen anderen Städten und Dörfern sanken mittelalterliche und barocke Kirchen und Schlösser in Schutt und Asche. Die begruben unter sich auch Tausende ostdeutscher Flüchtlinge. Das Kapitel über die Flucht darf nicht abgeschlossen werden, ohne zu erwähnen, dass die Millionen von Flüchtlingen nicht begriffen, dass die 700 Jahre alten ostdeutschen Siedlungen von heute auf morgen zerschlagen werden sollten. Ein Sonderkapitel der Flucht bildet auch die Zwangsverschleppung deutscher Zivilisten zur Zwangsarbeit in der Sowjetunion. 218.000 Deutsche wurden verschleppt. Mehr als 100.000 kamen bei den Strapazen um, oder erlagen Kälte und Hunger. Munition stand dem sowjetischen Gegner dank Hilfe der Westmächte unbegrenzt zur Verfügung. Im Frühjahr 1945 setzten die Russen auch Phosphorbomben ein. Trotz der Versenkungen deutscher Schiffe flohen die Menschen weiterhin lieber zur See, als den Russen in die Hände zu fallen. Kolberg konnte sich bis 18.03.45 halten, so konnten noch Zehntausende verschifft werden. Am 19. März wurde Danzig bombardiert, Tausende fanden den Tod, die alte deutsche Hansestadt wurde stark zerstört. Die Marine half wo sie konnte dem Heer, dem die Munition ausging. 1,5 Millionen Menschen konnten dank des heldenhaften Einsatzes des deutschen Soldaten zur See gerettet werden. Am 09.04.45 fiel Königsberg nach einem entsetzlichen Blutbad. Um 17:30 meldete der Festungskommandant die Kapitulation ans OKW. Zwei Tage lang dürften die Russen plündern, erschießen und vergewaltigen, bevor die Verschleppung nach Russland oder die Vertreibung nach Westdeutschland begann. 150.000 Menschen waren am 09.04.45 noch in Königsberg. Man muss nochmals die Hingabe und den Opferwillen der vielen unbekannten Soldaten bewundern, die nicht wankten noch wichen, bis die letzte Patrone verschossen war. Das angeblich neutrale Schweden lieferte nach dem Kriege alle Soldaten, die dort auf der Flucht landen mussten, an die UdSSR aus, darunter auch Balten. Schwedische Offiziere hatten den deutschen ihr Ehrenwort gegeben. Die Regierung setzte sich darüber hinweg und übergab unter brutaler Gewalt die Gefangenen den Russen. Viele versuchten sich vorher selbst umzubringen. Am 09.05.45 gab es den letzten Bericht des OKW: „Seit Mitternacht schweigen nun an allen Fronten die Waffen. Auf Befehl des Großadmirals hat die Wehrmacht den aussichtslosen Kampf eingestellt. Die deutsche Wehrmacht ist am Ende einer gewaltigen Übermacht ehrenvoll unterlegen. Der deutsche Soldat hat, getreu seinem Eide, in höchstem Einsatz für sein Volk für immer Unvergessliches geleistet. Die einmalige Leistung von Front und Heimat wird in einem späteren gerechten Urteil der Geschichte ihre endgültige Würdigung finden. Jeder Soldat kann deshalb die Waffe aufrecht und stolz aus der Hand legen und in den schwersten Stunden unserer Geschichte tapfer und zuversichtlich an die Arbeit gehen für das ewige Leben unseres Volkes. Die Wehrmacht gedenkt in dieser schweren Stunde ihrer vor dem Feind gebliebenen Kameraden. Ihr Opfer verpflichtet zu Treue, Gehorsam und Disziplin gegenüber dem aus zahllosen Wunden blutenden Vaterland.“ Am 10.05.45 marschierten die vorhandenen Truppenteile des deutschen Ostens mit ihren Führern in die russische Gefangenschaft. Nur wenige kehrten wieder heim. Diese Opfer wurden von der Weltöffentlichkeit ignoriert und erhielten niemals eine Entschädigung oder nur Mitgefühl. 1939 wurde Polen von zwei Seiten angegriffen, nur die Deutschen erhielten dafür Prügel. Der deutsche Erfolg im Krieg jagte den Mächtigen in den USA Angst ein. Er war zum Teil darauf zurückzuführen, dass die Bevölkerung Osteuropas die Deutschen als Befreier von der Sowjettyrannei begrüßte. So taten die Führer des Westens einfach so, als sei Stalin, der größte Massenmörder aller Zeiten, ein heldenhafter Führer, der Russland gegen faschistische Horden verteidigte. Selbst nach dem Krieg halfen die Westmächte den Sowjets, weitere Verbrechen zu begehen, so gegen die Balten, Kosaken und Weißrussen. Schließlich wirkten die westlichen Demokratien bei den blutigen Vertreibungen aus Deutschlands Osten mit. Sie halfen bei der Vertuschung von Katyn und anderen Gräueltaten. Die deutsche Wirtschaft wurde zerstört, Deutschland in mehrere Teile zerlegt und ein großes Stück den Polen überlassen. Der „totale Krieg“ Goebbels war darauf zurückzuführen, dass der Morgenthau-Plan vorzeitig herauskam und so die Deutschen bis zum letzten Blutstropfen kämpfen ließ. Anfang 1945 lag die deutsche Industrieproduktion noch bei 105% des Vorkriegsstandes von 1938. Bis zum Herbst 1945 war sie unter den Bedingungen der Alliierten auf 25% gesunken. Absichtlich ließen die Westmächte die Deutschen hungern, so dass über 20 Millionen Menschen an den Rand des Todes durch Verhungern getrieben wurden. Der amerikanische Senator Langer sagte im März 1945 vor dem Senat: „Die USA haben sich in eine brutale, fanatische Verschwörung zur Vernichtung des deutschen Volkes verstrickt, in dem wir deutsche Grausamkeiten mit gleicher Münze heimzahlen. So werden in französischen Kriegsgefangenenlagern zuerst Rachegelüste befriedigt. Trotz des sicheren Todes, der deutsche Kriegsgefangene in französischer Hand erwartet, beteiligt sich unsere Regierung weiter daran, deutsche Kriegsgefangene in Verletzung der Genfer Konvention zum Tode zu verurteilen.“ General Eisenhower hatte seinen Soldaten befohlen, auf deutsche Zivilisten zu schießen, die den verhungernden Gefangenen Lebensmittel zukommen lassen wollten. Frauen aus nahgelegen Ortschaften, die Essen an Lager brachten, nahmen die Amerikaner alles ab, warfen es auf einen Haufen und verbrannten es. Die Gefangenen bekamen 800 Kalorien pro Tag. 1945 lieferten die Briten Tausende Gefangener russischer Nationalität, die für Deutschland gekämpft hatten, in dem vollen Bewusstsein an die Sowjets aus, dass diese sie erschießen würden. Die deutsche Fischereiflotte musste in den Häfen bleiben, während die Menschen verhungerten. Im Januar 1947 betrug die offizielle Lebensmittelration in der französischen Zone 450 Kalorien pro Tag. Im Sudetenland schrieb ein katholischer Priester über den Einmarsch der Roten Armee in Neisse: Viele Frauen wurden bereits in der ersten Nacht 50 mal vergewaltigt. Die sich wehrten, wurden erschossen. Noch als Leichen wurden sie missbraucht. Insgesamt starben zwischen 1945 und 1950 neun Millionen Deutsche.

    200 Milliarden Mark haben die Deutschen bis 1999 an Wiedergutmachung bezahlt. Während die deutschen Gräueltaten täglich verurteilt werden, werden die Gräueltaten der Alliierten in Abrede gestellt oder verharmlost. Jede Geschichte hat ihre zwei Seiten. Seit 1970 wird in Deutschland nur noch die eine Seite erzählt!

    Sie liegen im Westen und Osten, sie liegen in aller Welt,

    und ihre Helme verrosten und Kreuz und Hügel zerfällt.

    Sie liegen verscharrt und versunken, im Massengrab und im Meer,

    aber es leben Halunken, die ziehen noch über sie her!

    Sie hatten ihr junges Leben nicht weniger lieb als die,

    die heute höhnen, es hinzugeben, war reine Idiotie.

    Sie konnten nicht demonstrieren: Mehr Freizeit bei höherem Lohn.

    Sie mussten ins Feld marschieren, der Vater, der Bruder, der Sohn.

    Sie gingen die Heimat zu schützen und haben allem entsagt.

    Was kann uns der Einsatz nützen, hat keiner von ihnen gefragt.

    Sie hatten ihr Leben und Sterben dem Vaterlande geweiht,

    und wussten nicht welchen Erben und welcher Erbärmlichkeit!

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