Verschworene–keine Verräter

Was die Männer des 20. Juli antrieb und was ihr Erfolg hätte bewirken können – Von Kurt von Tippelskirch

Wir dokumentieren die unverändert aktuelle Analyse dieses Ereignisses durch den Militärhistoriker und General a.D. Kurt von Tippelskirch, welche die „Welt am Sonntag“ am 18. Juli 1954 zum zehnten Jahrestag des Ereignisses veröffentlicht hat.

bw-gedenktafel-20-juli-1944Dass der Zweite Weltkrieg im Sommer 1944 verloren war, ist eine historische Tatsache, die schon auch damals zu erkennen war. Auf den weiteren Verlauf des Krieges hat das Attentat des 20. Juli keinen nachweisbaren Einfluss gehabt. Die kämpfende Truppe, die in schwerste Kämpfe verstrickt war, ist von ihm nahezu unberührt geblieben.
Sicher hätte das Attentat, wenn es gelungen wäre, den Krieg wesentlich verkürzt. Dem deutschen Volk wären unendliche Qualen und Verluste an Gut und Blut erspart geblieben. Man hat ausgerechnet, dass die nach dem 20. Juli 1944 durch den Krieg im eigenen Land und durch eigene Zerstörungen hervorgerufenen Schäden weit über die Hälfte des gesamten deutschen Kriegsschadens ausmachen. Viele Großstädte sind erst in den letzten Kriegsmonaten in Schutt und Asche gesunken. Weit schwerer wiegt aber, dass in den letzten neun Monaten des Krieges (die unglückliche Bevölkerung des deutschen Ostens eingerechnet) mehr Menschen umgekommen sind, als in den vorhergegangenen 59 Monaten.
Nichts lag den Männern des
20. Juli ferner, als den Widerstand des deutschen Volkes gegen seine äußeren Feinde zu sabotieren. Sie waren trotz ihrer Handlungen, die im wesentlichen realistischen Motiven entsprangen, Realisten genug, um zu erkennen, dass auch nach der Beseitigung Hitlers die Aussichten, zu einem tragbaren Kriegsende zu kommen, umso größer waren, je weniger verzweifelt die Lage an der Front, je größer also der Anreiz für die Gegner war, einen Friedensschluss, der ihren Kriegszielen einigermaßen gerecht wurde, dem sicherlich noch langen und blutigen Endkampf vorzuziehen. Ebenso kreiste der Gedanke der Verschwörer schon seit Jahren um das Ziel, Hitler so rechtzeitig zu beseitigen, dass aus der Kriegslage noch Nutzen gezogen werden konnte. Nicht zuletzt aus Zeitnot hat Stauffenberg am 20. Juli 1944 gehandelt.
Als Oberst Klaus Graf Stauffenberg am 20. Juli 1944 kurz nach 12.30 Uhr eine Aktenmappe mit einer Sprengbombe, die binnen zehn Minuten explodieren musste, im Vortragsraum des Hauptquartiers neben den für Hitler bestimmten Stuhl stellte, handelte er alles andere als spontan. Die Männer, die sich seit Jahren und in ständig zunehmendem Maße schwerste Sorgen um Deutschlands Zukunft machten, waren nach langer und immer wiederholter Gewissensprüfung zu der Überzeugung gekommen, dass nur eine gewaltsame Ausschaltung Hitlers noch in letzter Stunde Wandel schaffen konnte, und zwar nicht anders als durch ein Attentat. Unerträglich erschien es diesen Reellen, das deutsche Volk weiter einer Führung zu überlassen, die seit Jahren ungeheuerliche Rechtsbrüche und Verbrechen aufeinandergehäuft, das deutsche Volk mit allen Mitteln des Terrors unter eine mit normalen Mitteln nicht abzuschüttelnde Zwangsherrschaft gebeugt, frevelhaft einen durchaus vermeidbaren Krieg angefangen hatte und nun drauf und dran war, dieses Volk in den Untergang zu reißen. Gewiss konnte auch jede neue Staatsführung, welcher Art sie auch sein mochte, die Niederlage nicht mehr abwenden. Immerhin aber konnte sie hoffen, Deutschland ebenso wie seinen Gegnern weitere schwere Opfer zu ersparen und in jedem Falle zu einem Frieden zu kommen, der zum mindesten günstiger sein würde als der, der nach der endgültigen Kapitulation des Hitlerstaates zu erwarten war.
Das Attentat gegen Hitlers Person scheiterte, weil ganz kurz vor der Zündung ein Besprechungsteilnehmer die Aktentasche auf die andere Seite des schweren Tischsockels stellte.
Die deutsche historische Forschung hat sich eingehend mit den Motiven der Verschwörer und dem Ablauf der Geschehnisse beschäftigt. Von Einzelheiten untergeordneter Bedeutung abgesehen, liegt heute ein eindeutiges Ergebnis zutage. Es ist die Überzeugung aller ernst zu nehmenden Forscher, dass die Beteiligten unter einem Notstand gegenüber einem Staat gehandelt haben, der an die Person Hitlers gebunden war und den Boden des Rechtes weitgehend verlassen hatte. Während es für sie, als wahre Patrioten, den Begriff eines Deutschlands gab, das über seinen jeweiligen Repräsentanten stand, endete für Hitler Deutschland dort, wo seine Machtstellung aufhörte. Er hatte es selbst kurz vor Kriegsende ausgesprochen: Geht der Nationalsozialismus zugrunde, kann auch Deutschland ruhig zugrunde gehen.
Ihnen allen, den Diplomaten, Soldaten, Sozialisten, Staatsbeamten, Studenten und Theologen, die im Laufe der Jahre zueinander gefunden hatten, kam es nur darauf an, einen Mann unschädlich zu machen, der sich aufs schwerste an seinem Volk versündigt hatte. Einer der wenigen Überlebenden, der heutige Bundestagsabgeordnete Gerstenmaier, hat geschrieben: „Es hat sich (bei diesem größten und opfervollsten Versuch der deutschen Selbsthilfe) nie gehandelt um die Durchsetzung eines Parteiprogramms gegen das andere, nie um Ehrgeiz oder Futterkrippe, sondern immer nur um die Rettung Deutschlands aus den Fängen eines Systems und einer Menschengruppe, die durch brutalsten und raffiniertesten Gebrauch der Macht nicht nur dem Verbrechen, sondern auch dem Größenwahn verfallen war.“
Als Hitler am 20. Juli 1944 am Leben blieb, war die entscheidende Voraussetzung für die weiteren Pläne der Widerstandsgruppe gefallen. Gewiss hätte man auch für den nach Anlage des Attentats für unwahrscheinlich gehaltenen Fall des Misslingens Vorbereitungen treffen können, den Umsturz auch dann in die Tat umzusetzen. (Dieses Versäumnis machen manche der Gruppe zum Vorwurf.) Wie man dann jedoch aus dem nahezu mit Sicherheit zu erwartenden Chaos angesichts des Feindes herauskommen wollte, ist kaum klar zu sehen. Selbst führende Nationalsozialisten haben die wahren Motive der Männer des 20. Juli nicht verkannt. Goebbels hat im vertrauten Kreis geäußert: „Die Männer vom 20. Juli haben nicht leichtfertig gehandelt. Sie waren überzeugte Patrioten, die einen Verzweiflungsschritt in letzter Stunde getan haben, weil sie nicht an den Endsieg glauben konnten.“ Von solcher Einsicht in die Motive der Verschwörer war bei ihrer Behandlung und Aburteilung nichts zu spüren. Die Brutalität, ja der Sadismus, mit dem sie verfolgt, von ihnen Aussagen erpresst und sie schließlich beseitigt hat, kennt in der Geschichte kaum eine Parallele. Hier enthüllte sich Hitlers wahres Gesicht in seiner ganzen Abscheulichkeit. Mochte man ihnen den Prozess machen; keine angebliche „Staatsraison“ durfte aber dazu führen, sie als Lumpen, Verräter und feige Mörder zu bezeichnen, ihre Familien der Sippenhaftung auszusetzen, ihren Kindern den Namen der Väter zu nehmen und sie selbst in einem bewusst qualvollen Verfahren nach Hitlers Forderung wie „Schweine zu hängen“.
180 bis 200 Menschen sind auf diese Weise noch im Tode gemartert worden. Eine Verhaftungswelle, die durch den 20. Juli ausgelöst wurde, brachte bis Kriegsende weitere 5000 Männer und Frauen ums Leben, obwohl sie mit den Vorbereitungen des 20. Juli nicht unmittelbar verknüpft waren, sondern nur als Staatsfeinde galten.
Als die Bombe des 20. Juli explodierte, standen Millionen deutscher Soldaten im Kampf gegen den äußeren Gegner. Man sollte die Einen aber nicht im Gegensatz zu den Anderen sehen. Aus Treue zu ihrem Volk handelten die Männer, die an der Front bis zum letzten Tage durchhielten, aber auch alle jene, die im Widerstand, bei dem sie ihr Leben aufs Spiel setzten, die einzige Möglichkeit sahen, Deutschland zu dienen.

Artikel der Preußischen Allgemeinen Zeitung

"Verschworene–keine Verräter", 5 out of 5 based on 1 ratings.
Tagged , , , , . Bookmark the permalink.

4 Responses to Verschworene–keine Verräter

  1. alois weissinger says:

    Ganz schöner Schwachsinn,
    Hitler wurde von England aus aufgebaut um das Deutsche Reich zu vernichten.Man hatte die Aliierten gebeten um Hitler zu beseitigen,aber man bekam zur Antwort,wir wollen keinen Verhandlugsfrieden sondern einen Siegesfrieden.

  2. Waffenstudent says:

    Blasphemisches Gebet zum Krieg gegen Deutschland

    Am 6. April 1917 erklärten die Vereinigten Staaten von Amerika dem Deutschen Reich und am 7. Dezember dem Kaiserreich-Königreich Österreich-Ungarn den Krieg. Dem Eintritt der USA in den Krieg gegen das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn (aber nicht gegen das Osmanische Reich!) gab folgende Szene in der Sitzung des 65. Kongress der Vereinigten Staaten eine gespenstische Färbung: Am 10. Januar 1918 „betete“ eine größere Gruppe von Kongreßabgeordneten unter dem „Vorbeter“ Billy A.Sunday, einem Sohn von Einwanderern aus Deutschland namens „Sonntag“, folgendes gemeinsame blasphemische „Gebet“:

    »Almighty God, our Heavenly Father, … Thou knowest, O Lord, that we are in a life-and-death struggle with one of the most infamous, vile, greedy, avaritious, bloodthirsty, sensual, and vicious nations that has ever disgraced the pages of history. Thou knowest that Germany has drawn from the eyes of mankind enough tears to make another sea; that she has drawn blood enough to redden every wave upon that sea; that she has drawn enough groans and shrieks from the hearts of men, women, and children to make another mountain. We pray Thee that Thou wilt make bure Thy mighty arm and beat back that great pack of hungry, wolfish Huns, whose fangs drip with blood and gore.We pray Thee that the stars in their courses and the winds and waves may fight against them.

    We pray Thee that Thou will bless our beloved President and give him strength of mind and body and courage of heart for his arduous duties in these sorrow-laden, staggering days.We pray Thee to bless the Secretary of State, the Secretary of War, and the Secretary of the Navy; and bless, we pray Thee, the Naval Strategy Board. Bless, we pray Thee, Lord, the generals at the head of our Army. Bless the boys across the sea, „somewhere in France“, and bless those protecting our transports, lended to the water’s edge with men and provisions. Bless our boys at home who are in the cantonments. Bless, we pray Thee, the Senate and the House of Representatives, and give them wisdom and strength, for they seem to have come into the kingdom for such a time as this. And Lord, may every man, woman, and child, from Maine to California and from Minnesota to Lousiana, stand up to the last ditch and be glad and willing to suffer and endure until final victory shall come. Bless our allies, and may victory be ours. And in Thy own time and Thy own way we pray Thee that Thou wilt release the white-winged dove of peace until thou shalt dispel the storm clouds that hang lowering over this sin-cursed, blood-soaked and sorrowing world; and when it is all over we shall uncover our heads and lift our faces to the heavens and sing with a new meaning –

    My country, ‚tis of thee
    Sweet land of liberty,
    Of thee I sing.

    And the praise shall be to Thee forever, through Jesus Christ. Amen.«

    Also übersetzt:

    »Allmächtiger Gott! Unser himmlischer Vater!… Du weißt, daß wir in einem Kampf auf Leben und Tod stehen gegen eine der schändlichsten, gemeinsten, gierigsten, geizigsten, blutdürstigsten, geilsten und sündhaftesten Nationen, die je die Seiten der Geschichte geschändet haben.

    Du weißt, daß Deutschland aus den Augen der Menschheit genügend Tränen gepreßt hat, um ein neues Meer zu füllen, daß es genügend Blut vergossen hat, um jede Woge auf dem Ozean zu röten, daß es genügend Schreie und Stöhnen aus den Herzen von Männern, Frauen und Kindern gepreßt hat, um daraus Gebirge aufzutürmen. …

    Wir bitten Dich, entblöße Deinen mächtigen Arm und schlage das mächtige Pack hungriger, wölfischer Hunnen zurück, von deren Fängen Blut und Schleim tropfen. Wir bitten Dich, laß die Sterne in ihren Bahnen und die Winde und Wogen gegen sie kämpfen… Und wenn alles vorüber ist, werden wir unsere Häupter entblößen und unser Antlitz zum Himmel erheben… Und Dir sei Lob und Preis immerdar, durch Jesus Christus. Amen.«

    Quellen:

    206. Congressional record – The proceedings and debates of the second session of the 65th Congress of the United States of America, Vol. LVI, p. 761f. (Sitzung vom 10.01.1918)

    Neben den originalen Congressional Records kann als leichter zugänglich auch auf die Veröffentlichung in folgenden Werken hingewiesen werden:
    Franz Uhle-Wettler: Erich Ludendorff in seiner Zeit. Soldat Stratege Revolutionär. Eine Neubewertung, 2. Aufl. VGB Verlagsgesellschaft Berg/Edition Kurt Vowinckel Berg 1996
    Franz Uhle-Wettler: Großadmiral Alfred von Tirpitz, Hamburg 1998.
    Dort finden sich auch weitere bemerkenswerte Zeugnisse des britischen und amerikanischen politischen Denkens in der Zeit des 1. Weltkriegs sowie weitere Literaturhinweise.
    Zur Person des Vorbeters, William Ashley „Billy“ Sunday (* 19. November 1862, + 6. November 1935), siehe:

    William McLoughlin: Billy Sunday was his real name, Chicago: Univ. of Chicago, 1955, zu seiner Vorbeterrolle am 10.01.1918 s. S. 260.

    Charakteristisch ist der berühmteste Ausspruch Billy Sundays: „If you turn hell upside down you will find ‘Made in Germany’ stamped on the bottom“ (Wenn du die Hölle auf den Kopf stellst, findest du „made in Germany“ am Boden aufgeprägt).

    Mein Dank gebührt Herrn Generalleutnant a.D. Dr. Franz Uhle-Wettler, Meckenheim, der auf diesen blasphemischen Hintergrund des Kriegseintritts der Vereinigten Staaten von Amerika gegen das Deutsche Reich 1918 hingewiesen hat. Dank auch dem, der mir freundlicherweise zunächst die deutsche Übersetzung zugänglich gemacht hat, aber bei der derzeitigen „politisch korrekten“ Meinungsfreiheit in Deutschland es vorzieht, ungenannt zu bleiben.

    Quelle: http://www.christoph-heger.de/Blasphemisches_Gebet_zum_Kriegseintritt_1918.htm

  3. Waffenstudent says:

    IRRTUM:

    Keinesfalls ist es eine historische Tatsache, daß der Zweite Weltkrieg im Sommer 1944 verloren war! Wenn Herr Hitler nach der ersten Landung der Angloamerikaner mit der Brutalität eines Stalins oder „Kirchhügel“ alle Stabsoffiziere samt entsprechender zivilen Nomenklatura an die Wand gestellt hätte, dann wäre geschehen, was Churchill aussprach: Die Deutschen haben Waffen und die Macht, um uns wieder aus Frankreich heraus zu jagen!“ – Daß es nicht dazu kam, dafür sorgten die Stabsoffiziere und die zivile Nomenklatura!

  4. Waffenstudent says:

    US Senator sagt die Wahrheit über den 2.Weltkrieg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.