Streit um Czaja

Gedenktafel für Schlesier verweigert

Image635672122924780079in heftiger Streit ist über die Beurteilung von Herbert Czaja entbrannt, insbesondere über sein Verhältnis zum Nationalsozialismus; Auslöser ist die Bitte der Fa­milie des langjährigen Präsidenten des Bundes der Vertriebenen, Bundesvorsitzenden der Lands­mannschaft der Oberschlesier, Bundestagsabgeordneten und Gründers der Kulturstiftung der

deutschen Vertriebenen um eine Gedenktafel an der Fassade des Vaterhauses des gebürtigen Schlesiers in Skotschau aus Anlass seines 100. Geburtstages am 5. November. Auf dieser soll stehen, dass Herbert Czaja im besagten Haus gelebt und dass er sich um die deutsch-polnische Verständi­gung verdient gemacht habe.

Politische Brisanz gewinnt der Vorgang dadurch, dass sich einer­seits die Deutsche Minderheit in Schlesien den Wunsch der Familie zu eigen gemacht hat und sich an­dererseits in dem betreffenden Ge­bäude heute eine Schule im Besitz der Woiwodschaft Schlesien befin­det. „Für uns war Herbert Czaja ein Mensch der Versöhnung zwischen den Deutschen und deren östlichen Nachbarn. Außerdem war er ein beispielhafter Politiker“, be­gründet der Vorsitzende der Deut­schen Minderheit in der Woi­wodschaft, Marcin Lippa, deren Engagement für die Gedenktafel.

Die polnische Wöiwodschaftsverwaltung hat die Bitte jedoch abge­lehnt. Unterstützung erfahrt die Verwaltung in dieser Entscheidung durch Schlesiens meistgelesene Tageszeitung „Dziennik Zachodni“. Diese hat einen Beitrag von Teresa Semik mit dem Titel „Deut-
sche wollen in Skotschau den Nazi Herbert Czaja ehren. Wer ist dagegen?“ veröffentlicht. Semik stützt sich in ihrem Versuch, Czaja als Nationalsozialisten dazustellen, auf ein Dokument einer Kommission für Ermittlungen der Verbrechen des Hitlerregimes aus dem Jahr 1973.

Mit ihrem ehrverletzenden Vorwurf gegenüber Czaja im Allgemeinen und ihrem Rückgriff auf kommunistische Quellen aus der Ära der Volksrepublik im Besonderen hat Semik sich ihrerseits entschiedener Kritik ausgesetzt. Doch bei der staatlichen Entscheidung
gegen die Gedenktafel ist es vorerst geblieben.

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