Auf der Flucht vor der roten Armee

Einige Münsteraner erlebten die letzten Kriegstage im Osten / Viele Selbstmorde und Vergewaltigungen

Image635637678186555017Münster – Im März 1945 war die Flucht zu Ende. Die Rote Armee war in einer Zangenbewegung durch Westpreußen vorgestoßen und versperrte den Flüchtlingen den Weg nach Westen.

Für Familie Wermter aus Heinrikau ging vor 70 Jahren der vielleicht schlimmste Teil ihrer Odyssee zu Ende. Die Familie war über das Frische Haff aus Ostpreußen geflohen und befand sich auf einem Hof in der Nähe von Stolp, als die Russen anrückten. Wermters gingen wieder zurück in die alte Heimat und lebten dort ein Jahr lang in aller Abgeschiedenheit – bevor sie von den polnischen Behörden endgültig vertrieben wurden.

Ähnlich wie Familie Wermter war auch der bei Elbing geborene Manfred Dost samt seinen Angehörigen von den Russen auf der Flucht bei Stolp gestoppt und zurückgeschickt worden. „Man musste arbeiten, das Leben ging weiter“. Damals war er 13 Jahre alt und arbeitete hat in einer Bäckerei und in der Landwirtschaft. 1947 wurde die Familie endgültig vertrieben.

Die nur wenig jüngere Helga Wilpers berichtet von der Flucht aus Schlesien, von der eisigen Kälte, vom Fliegeralarm: „Ein russischer Soldat wollte uns erschießen“ – doch das Weinen der Elfjährigen und ihrer fünfjährigen Schwester hat den Mann wohl gerührt.

Dass weinende Kinder Flüchtlingen das Leben retten können, hat auch Günter Laserich erlebt. Er befand sich kurz vor Kriegsende mit seiner Familie in einem Viehwaggon auf dem Weg in den Westen, als sich zwei versprengte deutsche Soldaten in den Wagen flüchteten und sich unter dem Stroh verbargen. Seine Mutter habe die jungen Burschen mit Stroh bedeckt und ihre weinenden Kinder darauf gebettet. Das war todesmutig – die Rotarmisten hätten mit allen Reisenden kurzen Prozess gemacht, wenn die Flüchtigen entdeckt worden wären. Bis heute hofft Günter Laserich auf ein Zeichen dieser beiden deutschen Soldaten, die seiner Mutter so dankbar waren.

Ein anderer Rotarmist hat sich durch einen russischen Satz rühren lassen: „Christos woskres“ – „Christus ist auferstanden“. Das berichtet Konrad Honig in seinem Buch „Heimat vergisst man nicht“, in dem er die Erinnerungen seiner Eltern Irene und Konrad Honig festhielt.

So viele Selbstmorde und Vergewaltigungen – „man hatte doch mit dem Leben abgeschlossen“, berichtet Christa Krüger geb. Göldner aus Falkenhain. Bis 1946 fristete ihre Familie ein karges Leben in der alten Heimat, dann wurden sie vertrieben und kamen über Uelzen nach Amelsbüren, berichtet sie.


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4 Responses to Auf der Flucht vor der roten Armee

  1. Waffenstudent says:

    ERSTER TEXT:

    Der Kampf um Ostpreußen, Flucht und Vertreibung

    Dieser Text stellt die Schrecken und Nöte des Zweiten Weltkrieges in Ostpreußen dar, aber auch den unerschrockenen Mut der deutschen Soldaten gegen feindliche Übermacht. Die Fakten stammen aus verschiedensten Quellen:

    Die Verteidigung ihrer Heimat war den Ostpreußen Herzenssache. Ostpreußen hat buchstäblich das Letzte an Gut und Blut für das Vaterland geopfert. 1945 starb von den 2,6 Millionen Einwohnern Ostpreußens jeder fünfte. Gemessen an Westdeutschland, das seit Jahren den verheerenden Luftangriffen ausgesetzt waren, bildete Ostpreußen bis Sommer 1944 eine Oase des Friedens. So war es nicht verwunderlich, dass viele Westdeutsche bei ihren Verwandten und Freunden in Ostpreußen Ruhe und Schutz fanden. Im Frühjahr 1944 kam es zum Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte, am 21.07.44 standen 16 deutsche 160 russischen Divisionen gegenüber. Die erste Folge des Vorrückens der Russen war die Flucht der Westdeutschen in ihre Heimat. Instinktiv fühlten sie, dass es ratsamer sei, sich in die bombengefährdeten Gebiete zu begeben, als den Sowjets in die Hände zu fallen. In der Nacht vom 26./27. August griff ein britisches Bombergeschwader Königsberg an. Brandstürme, denen viele der Flüchtenden zum Opfer fielen, tobten durch die Straßen. Es wurden nur Wohnviertel bombardiert, so dass man von einem Terrorangriff sprechen muss. Fast alle kulturell wertvollen Gebäude mit ihrem unersetzbaren Inhalt wie Dom, Schlosskirche und Universität wurden ein Raub der Flammen. Die Zahl der Toten betrug 3.500, 150.000 wurden obdachlos. Die Industrieviertel beiderseits des Pregels, der Hafen und der Hauptbahnhof, also die militärisch wichtigen Gebiete, sind nicht bombardiert worden, wie in so vielen deutschen Städten. Am 02.09.44 war Finnland erlegen, so dass die russischen Truppen sich nunmehr auf Deutschland konzentrieren konnten. Am 07.10.44 wurde die Räumung des Memellandes empfohlen. Die Bevölkerung befolgte den Aufruf nur zögernd. Wer klammert sich nicht bis zuletzt an die Heimat? Wer verlässt gerne seinen Hof, auf dem die Vorfahren oft seit Jahrhunderten gelebt haben. Wer gibt Hab und Gut auf und zieht einer ungewissen Zukunft entgegen? Durch dieses Zögern kam es bei dem plötzlichen tiefen Einbruch der Russen zu einer planlosen, überstürzten Flucht. Vielen glückte die Flucht nicht. Die Sowjets plünderten, vergewaltigten und ermordeten viele. Fast ein Drittel der ländlichen Bevölkerung fiel den Russen in die Hände und musste das schreckliche Los der Verschleppung erdulden. An der Front kämpften die deutschen Soldaten mit bewunderungswerter Haltung um Zeitgewinn, damit die Bevölkerung sich retten konnte. Die Divisionen, in einzelne Kampfgruppen zerteilt, klammerten sich zäh und verbissen an einzelne Gebäudeabschnitte und gingen erst zurück, wenn der Feind sie links und rechts überholt oder gar eingeschlossen hatte. Dann mussten sie sich durchschlagen. Wegen dieses Heldenmutes brach der sowjetische Angriff am 24.10.44 zunächst zusammen. Einige Gebiete konnten sogar zurückerobert werden. Am 03.11.44 hatten die Russen auf 150 km Breite ostpreußischen Boden gewonnen. Mit Sorge und Schmerz sah jeder deutsche Soldat, dass der Feind deutschen Heimatboden betreten und dem Verteidiger trotz höchster Pflichterfüllung die Kraft fehlte, ihn nach Russland zurückzuwerfen. Im Westen waren Frankreich und Belgien verloren. Nur noch in Holland standen deutsche Truppen, dagegen alliierte Truppen im Raum Aachen bereits auf deutschem Gebiet. Italien hatten die Westmächte zum Teil besetzt. Unser Bundesgenosse kämpfte auf des Gegners Seite. Auch unser ehemaliger Bundesgenosse Bulgarien hatte uns den Krieg erklärt. Im Westen warfen alliierte Bomber täglich ihre Tod bringende Last auf deutsche Städte. Der englische General Fuller bezeichnete diese Terrorangriffe, insbesondere auf Hamburg und Dresden, als erschreckende Schlächterei, die selbst für einen Attila eine Schande gewesen wäre. Am 18.01.45 begann der Endkampf um Ostpreußen. Einzelne Kampfgruppen klammerten sich bis zur letzten Patrone an den Heimatboden, um der Bevölkerung Zeit zur Flucht zu verschaffen. An den Straßenrändern saßen Frauen und Kinder, auf Schlitten den Rest ihrer Habe mitschleppend, und warteten mitgenommen zu werden. Die Wehrmacht half, wo und wie sie konnte. Bei minus 30 Grad verließen am 28.01.45 die letzten deutschen Soldaten die Stadt Memel. Die eigenen Verluste waren so groß, dass verschiedene Divisionen nur noch aus Resten bestanden. Die Ostfront fiel wie ein Kartenhaus zusammen. Um so höher war die Haltung der Einheiten zu bewerten, die fest in der Hand ihrer Führer tapfer kämpften und sich den Russen entgegenwarfen, ihre Pflicht auch in aussichtsloser Lage erfüllend. Lobend seien auch die französischen und belgischen Kriegsgefangenen erwähnt, die sich so eingesetzt hatten, als ginge es um ihr eigenes Vaterland. Die 2. Armee konnte mit ihren nur noch schwachen Kräften den Angriff der Russen höchstens verzögern, nicht aufhalten. Trotzdem hielten Tausende tapferer Soldaten aus und wehrten sich bis zum bitteren Ende gegen die Übermacht des Gegners, um Frauen und Kindern Zeit für die Flucht zu erkämpfen. Den 23.01.45 kann man zurecht als schwarzen Tag Ostpreußens bezeichnen. Es war den Russen gelungen, Ostpreußen vom Rest Deutschlands abzuschnüren. Von allen Seiten kam der Feind. Die Menschenmassen gingen in alle Himmelsrichtungen, fuhren gegeneinander, es entstand ein Chaos. Schließlich kam der Gedanke auf, über das zugefrorene Haff Richtung Danzig zu gelangen. Vielen glückte bei starkem Frost und eisigem Schneesturm der Marsch über das Haff. Viele Alte und Kinder blieben erfroren am Wege liegen. In hellen Scharen flohen die Menschen, um das rettende Reich zu erreichen. Die Russen schossen mit Stalinorgeln in die Menschenmassen. Man sah entsetzliche Szenen. In einzelnen Dörfern, die wir zurückeroberten, fand man Russen in den Betten der von ihnen vergewaltigen und ermordeten Frauen. Russen hatten Kinder mit Panzern zu Tode gewalzt, Männer wurden mit Benzin übergossen und verbrannt. Darum musste weiter gekämpft werden, jedes Stückchen Erde musste verteidigt werden, um der Bevölkerung Raum und Zeit zur Flucht vor den Sowjets zu verschaffen. Jeder hatte gesehen, wie die Sowjets mit den Menschen umgingen und sie abschlachteten. In langen Trecks zogen die Zivilisten nach Westen. Viele konnten sich von ihrer Heimat, ihren Häusern mit ihren Bildern, Möbeln und Erinnerungsstücken nicht trennen. Oft brausten russische Flugzeuge über die Flüchtlingstrecks hinweg, warfen Bomben und schossen auf die Fliehenden. Am 21.01.45 läuteten die Glocken in Insterburg Sturm. Immer näher hörte man den Gefechtslärm. Am Spätnachmittag brausten Lastkraftwagen der Wehrmacht heran. Diese nahmen in großer Eile, die Russen dicht auf den Fersen, die Menschen von der Straße auf, für die Mitnahme des Gepäcks fehlte die Zeit. Am 05.03.45 fiel Stettin. Wer bis dahin nicht die Oder erreicht hatte, konnte auf dem Landweg den Russen nicht mehr entgehen. In Westpreußen und Schlesien begann die Vertreibung. Die Alten gingen mit stumpfem, hoffnungslosem Blick, die bleichen Frauen mit tief liegenden Augen, die Kinder mit alten Zügen, die furchtbaren Bilder tief ins Herz gegraben. Der letzte Zug verließ Königsberg am 30.01.45. Die Russen stoppten ihn westlich der Stadt. Wie wilde Tiere hausten die Russen. Wer konnte, floh nach Königsberg zurück, das zu einer Festung geworden war. An der Küste stauten sich die Flüchtlinge und bildeten für russische Tiefflieger ein leichtes Ziel. Ein furchtbares Los erwartete die, die den Russen in die Hände fielen. Die Männer wurden erschlagen, zuerst die, die sich schützend vor ihre Frauen stellten. Die Russen ermordeten selbst französische Kriegsgefangene. Wahllos erfolgten Verschleppungen nach Russland. Wer den endlosen Marsch in die Gefangenschaft nicht durchhielt, den erlöste eine Kugel von seinem Elend. Bis zu 50% der verbliebenen Bevölkerung wurden verschleppt. Die einzige Rettung waren Schiffe nach Westen. Unermüdlich bemühte sich die Marine, die Flüchtlinge zu retten. Alle vorhandenen Schiffe wurden eingesetzt. Erst am 09.05.45 um 0:00 Uhr stach das letzte Schiff im deutschen Osten zur See. Am 30.01.45 legte der KdF Dampfer Wilhelm Gustloff von Gotenhafen ab. An Bord waren 5.000 Menschen. Um 21:00 trafen drei russische Torpedos das Flüchtlingsschiff. Das Schiff legte sich backbord über. Panik brach aus, wer fiel, wurde niedergetreten. Alles schrie und wollte an Deck. Furchtbare Szenen! Kampf um Rettungs- und Schlauchbote. An der schräg liegenden Gustloff klammerten die Menschen wie Fliegen. Viele schwammen im eiskalten Wasser, Notraketen stiegen in den Himmel. Gurgelnde Hilfeschreie Ertrinkender. Dreimal heulte das Nebelhorn, kenternd sank die Gustloff. Über 4.000 Menschen starben, viermal so viel wie bei der Titanic. Aus Pillau stach die „Steuben“, durch das Rote Kreuz als Lazarettschiff kenntlich gemacht, mit 3.000 Mann in See. Am 10.02.45 wurde das Schiff durch russische Torpedos getroffen und riss 2.700 Menschen in den Tod. Neben vielen anderen kleinen Schiffen war der Untergang der Goya am 16.04.45 die größte Katastrophe der Seefahrt. Zwei Torpedos trafen das Schiff. Es brach mittschiffs auseinander und riss 5.220 Menschen in den Tod, nur 165 konnten gerettet werden. Diese drei Schiffe hatten rund 16.000 Menschen in die Tiefe gerissen. Indessen lagen zwischen dem Untergehen der Wilhelm Gustloff und der Goya immerhin 10 Wochen, in denen Hunderte von Überfahrten glückten und Hunderttausende gerettet wurden. Am 04.03.45 hatten die Sowjets Köslin erobert. Während die letzten Schiffe mit 18.310 Menschen die Molen verließen, feuerten sowjetische Panzer vom Stadtrand. Und unter dieser Zusammenballung luden die 700 Bomber der amerikanischen Luftflotte ihre tödliche Last ab, denen sieben Flüchtlingsschiffe zum Opfer fielen. Trotz weißer Flaggen wurden die Schiffe mit Phosphorbomben angegriffen, brannten aus und kenterten. Die letzten drei Tage gipfelten in einer konzentrierten Rettungsaktion aller noch vorhandenen Kräfte. Während aus Swinemünde am 5. Mai die letzten 27.000 Mann entkamen, hielt Hela den Rekord, wo alleine am 6. Mai 1945 43.000 Flüchtlinge abgeholt werden konnten und in letzter Stunde nochmals 20.000 Flüchtlinge und Soldaten. Aber um alle zu evakuieren reichte die Zeit nicht mehr aus. Als mit der bedingungslosen Kapitulation alles stillstand, gab es auf Hela noch etwa 60.000 Flüchtlinge und Soldaten, an der Weichselmündung rund 40.000. Die Armee Ostpreußens ergab sich mit 150.000 Mann, die Heeresgruppe Kurland kapitulierte mit 208.000 Mann. Demgegenüber wurden drei Millionen Menschen evakuiert und nach Westen gebracht. 1944 lebten insgesamt 12 Millionen Deutsche östlich der Oder-Neiße-Linie. Am 18.10.44 hatte Hitler zur Bildung des Volkssturm aufgerufen: „Es muss uns gelingen, nicht nur den Vernichtungswillen der Feinde zu brechen, sondern sie wieder zurückzuwerfen und so lange vom Reich abzuhalten, bis ein die Zukunft Deutschlands, seiner Verbündeten und damit ein Europa sichernder Friede gewährleistet ist.“ Glücklich waren diejenigen, die hilfsbereite französische und belgische Kriegsgefangene zur Unterstützung hatten. Diese hatten dort über Jahre in den Betrieben gearbeitet. Als die Stunde der Flucht kam, entschlossen sich viele, mit den Deutschen nach Westen zu ziehen, anstatt sich von den russischen Soldaten „befreien“ zu lassen. Das DRK und die NSV taten, was sie konnten, um zu helfen. Viele, die alle Strapazen der Flucht überstanden hatten, starben unter den Bombenteppichen der angloamerikanischen Bomberverbände. Der verheerendste Angriff ereignete sich in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 auf Dresden. Die schöne Barockstadt war mit etwa 600.000 schlesischen Flüchtlingen vollgestopft. Sie hatten kampiert, wo immer es möglich war, und hofften, in Dresden nur so lange zu bleiben, bis sie nach Schlesien zurückkehren konnten. In den mehr als fünf Kriegsjahren war Dresden von Luftangriffen verschont geblieben, gewiss nicht aus humanitären Erwägungen, sondern weil hier keine wichtigen militärischen Objekte einen Angriff rechtfertigten. Um 22 Uhr erschien über Dresden eine Wolke britischer Bomber. Insgesamt waren 1.400 britische Flugzeuge beteiligt. Und als ob dies nicht genug wäre, warfen am nächsten Mittag noch 450 amerikanische Flugzeuge Bomben ab. Die begleitenden P-51 Jäger griffen im Tiefflug die Menschen auf den Straßen und die auf den Elbwiesen rastenden Flüchtlinge an. Bis zu 135.000 Menschen starben. Gerhart Hauptmann, der schlesische Dichter aus dem Riesengebirge sah die brennende Stadt und sagte in Tränen: „Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang Dresdens.“ Aber nicht nur in Dresden, sondern in vielen anderen Städten und Dörfern sanken mittelalterliche und barocke Kirchen und Schlösser in Schutt und Asche. Die begruben unter sich auch Tausende ostdeutscher Flüchtlinge. Das Kapitel über die Flucht darf nicht abgeschlossen werden, ohne zu erwähnen, dass die Millionen von Flüchtlingen nicht begriffen, dass die 700 Jahre alten ostdeutschen Siedlungen von heute auf morgen zerschlagen werden sollten. Ein Sonderkapitel der Flucht bildet auch die Zwangsverschleppung deutscher Zivilisten zur Zwangsarbeit in der Sowjetunion. 218.000 Deutsche wurden verschleppt. Mehr als 100.000 kamen bei den Strapazen um, oder erlagen Kälte und Hunger. Munition stand dem sowjetischen Gegner dank Hilfe der Westmächte unbegrenzt zur Verfügung. Im Frühjahr 1945 setzten die Russen auch Phosphorbomben ein. Trotz der Versenkungen deutscher Schiffe flohen die Menschen weiterhin lieber zur See, als den Russen in die Hände zu fallen. Kolberg konnte sich bis 18.03.45 halten, so konnten noch Zehntausende verschifft werden. Am 19. März wurde Danzig bombardiert, Tausende fanden den Tod, die alte deutsche Hansestadt wurde stark zerstört. Die Marine half wo sie konnte dem Heer, dem die Munition ausging. 1,5 Millionen Menschen konnten dank des heldenhaften Einsatzes des deutschen Soldaten zur See gerettet werden. Am 09.04.45 fiel Königsberg nach einem entsetzlichen Blutbad. Um 17:30 meldete der Festungskommandant die Kapitulation ans OKW. Zwei Tage lang dürften die Russen plündern, erschießen und vergewaltigen, bevor die Verschleppung nach Russland oder die Vertreibung nach Westdeutschland begann. 150.000 Menschen waren am 09.04.45 noch in Königsberg. Man muss nochmals die Hingabe und den Opferwillen der vielen unbekannten Soldaten bewundern, die nicht wankten noch wichen, bis die letzte Patrone verschossen war. Das angeblich neutrale Schweden lieferte nach dem Kriege alle Soldaten, die dort auf der Flucht landen mussten, an die UdSSR aus, darunter auch Balten. Schwedische Offiziere hatten den deutschen ihr Ehrenwort gegeben. Die Regierung setzte sich darüber hinweg und übergab unter brutaler Gewalt die Gefangenen den Russen. Viele versuchten sich vorher selbst umzubringen. Am 09.05.45 gab es den letzten Bericht des OKW: „Seit Mitternacht schweigen nun an allen Fronten die Waffen. Auf Befehl des Großadmirals hat die Wehrmacht den aussichtslosen Kampf eingestellt. Die deutsche Wehrmacht ist am Ende einer gewaltigen Übermacht ehrenvoll unterlegen. Der deutsche Soldat hat, getreu seinem Eide, in höchstem Einsatz für sein Volk für immer Unvergessliches geleistet. Die einmalige Leistung von Front und Heimat wird in einem späteren gerechten Urteil der Geschichte ihre endgültige Würdigung finden. Jeder Soldat kann deshalb die Waffe aufrecht und stolz aus der Hand legen und in den schwersten Stunden unserer Geschichte tapfer und zuversichtlich an die Arbeit gehen für das ewige Leben unseres Volkes. Die Wehrmacht gedenkt in dieser schweren Stunde ihrer vor dem Feind gebliebenen Kameraden. Ihr Opfer verpflichtet zu Treue, Gehorsam und Disziplin gegenüber dem aus zahllosen Wunden blutenden Vaterland.“ Am 10.05.45 marschierten die vorhandenen Truppenteile des deutschen Ostens mit ihren Führern in die russische Gefangenschaft. Nur wenige kehrten wieder heim. Diese Opfer wurden von der Weltöffentlichkeit ignoriert und erhielten niemals eine Entschädigung oder nur Mitgefühl. 1939 wurde Polen von zwei Seiten angegriffen, nur die Deutschen erhielten dafür Prügel. Der deutsche Erfolg im Krieg jagte den Mächtigen in den USA Angst ein. Er war zum Teil darauf zurückzuführen, dass die Bevölkerung Osteuropas die Deutschen als Befreier von der Sowjettyrannei begrüßte. So taten die Führer des Westens einfach so, als sei Stalin, der größte Massenmörder aller Zeiten, ein heldenhafter Führer, der Russland gegen faschistische Horden verteidigte. Selbst nach dem Krieg halfen die Westmächte den Sowjets, weitere Verbrechen zu begehen, so gegen die Balten, Kosaken und Weißrussen. Schließlich wirkten die westlichen Demokratien bei den blutigen Vertreibungen aus Deutschlands Osten mit. Sie halfen bei der Vertuschung von Katyn und anderen Gräueltaten. Die deutsche Wirtschaft wurde zerstört, Deutschland in mehrere Teile zerlegt und ein großes Stück den Polen überlassen. Der „totale Krieg“ Goebbels war darauf zurückzuführen, dass der Morgenthau-Plan vorzeitig herauskam und so die Deutschen bis zum letzten Blutstropfen kämpfen ließ. Anfang 1945 lag die deutsche Industrieproduktion noch bei 105% des Vorkriegsstandes von 1938. Bis zum Herbst 1945 war sie unter den Bedingungen der Alliierten auf 25% gesunken. Absichtlich ließen die Westmächte die Deutschen hungern, so dass über 20 Millionen Menschen an den Rand des Todes durch Verhungern getrieben wurden. Der amerikanische Senator Langer sagte im März 1945 vor dem Senat: „Die USA haben sich in eine brutale, fanatische Verschwörung zur Vernichtung des deutschen Volkes verstrickt, in dem wir deutsche Grausamkeiten mit gleicher Münze heimzahlen. So werden in französischen Kriegsgefangenenlagern zuerst Rachegelüste befriedigt. Trotz des sicheren Todes, der deutsche Kriegsgefangene in französischer Hand erwartet, beteiligt sich unsere Regierung weiter daran, deutsche Kriegsgefangene in Verletzung der Genfer Konvention zum Tode zu verurteilen.“ General Eisenhower hatte seinen Soldaten befohlen, auf deutsche Zivilisten zu schießen, die den verhungernden Gefangenen Lebensmittel zukommen lassen wollten. Frauen aus nahgelegen Ortschaften, die Essen an Lager brachten, nahmen die Amerikaner alles ab, warfen es auf einen Haufen und verbrannten es. Die Gefangenen bekamen 800 Kalorien pro Tag. 1945 lieferten die Briten Tausende Gefangener russischer Nationalität, die für Deutschland gekämpft hatten, in dem vollen Bewusstsein an die Sowjets aus, dass diese sie erschießen würden. Die deutsche Fischereiflotte musste in den Häfen bleiben, während die Menschen verhungerten. Im Januar 1947 betrug die offizielle Lebensmittelration in der französischen Zone 450 Kalorien pro Tag. Im Sudetenland schrieb ein katholischer Priester über den Einmarsch der Roten Armee in Neisse: Viele Frauen wurden bereits in der ersten Nacht 50 mal vergewaltigt. Die sich wehrten, wurden erschossen. Noch als Leichen wurden sie missbraucht. Insgesamt starben zwischen 1945 und 1950 neun Millionen Deutsche.

    200 Milliarden Mark haben die Deutschen bis 1999 an Wiedergutmachung bezahlt. Während die deutschen Gräueltaten täglich verurteilt werden, werden die Gräueltaten der Alliierten in Abrede gestellt oder verharmlost. Jede Geschichte hat ihre zwei Seiten. Seit 1970 wird in Deutschland nur noch die eine Seite erzählt!

  2. Waffenstudent says:

    ZWEITER TEXT:

    Hoffnung – Der letzte Ruf aus Königsberg
    30. November 2012

    Im Folgenden Auszüge aus der Rundfunkansprache des letzten Amtsinhabers des Lehrstuhles Immanuel Kants an der Universität Königsberg, gehalten im März 1945:

    “Der angemessene Platz des Gelehrten ist das Laboratorium, der Schreibtisch, der Hörsaal. In dieser Stunde und an diesem Ort aber scheint es mir, darf ein deutscher Gelehrter sich unmittelbar an das Ohr der Welt wenden. Der Ernst des Todes, der uns in Königsberg umringt, sichert ihn gegen die ungewöhnte und verführerische Gelegenheit, anderes als die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu sagen.
    Ich rede in niemandes Auftrag. Ich habe von mir aus, als der derzeitige Inhaber des philosophischen Lehrstuhls, des Lehrstuhls Immanuel Kants, um die Möglichkeit gebeten, über den deutschen Rundfunk das Wort zu ergreifen. Wer im Angesicht Kants redet, redet im Angesicht Europas. Zu Kants Gedächtnis und für die Zukunft Europas will ich sagen, was ich zu sagen habe.

    Ich spreche aus einem Trümmerhaufen. In zwei Nächten des vergangenen Augusts haben britische Bomber Leben und Gestalt der Innenstadt Königsbergs ausgelöscht. Jene höllischen Nächte enthüllten auch in dieser Stadt, daß die Grausamkeiten des gegenwärtigen Krieges schon unter uns Europäern – von den Grausamkeiten der Russen schweige ich – so ins Maßlose gestiegen sind, daß am Ende dieses Krieges kein einziger der Beteiligten über den Gegner Gericht halten könnte, ohne Gott zu lästern.

    Ich weiß sehr, daß dies in den Wind gesagt sein wird für den Fall, daß Deutschland in dem jetzigen Kampf unterläge. Aller Warnungen vernünftiger Menschen zum Trotz würde dann der letzte Akt dieses Krieges ein Aufstand der Pharisäer sein.

    Wie durch einen Zufall haben die britischen Bomber das Grabmal Kants nicht zerstört. Es würde indessen auch seine Zerstörung überdauern. Sie haben das Schloß zerstört, sie haben den Dom zerstört. Das Bild aber dieses Domes und das Gedächtnis dieses Schlosses stehen in unserem Gedächtnis und so das Bild Ostpreußens, des immerdar deutschen Landes an der Ostsee.

    Der englische Premierminister hat kürzlich gemeint, eine Bedrohung des künftigen Friedens werde aus einer Annexion Ostpreußens an Sowjetpolen nicht erwachsen, wenn alle Ostpreußen in das Innere Deutschlands umgesiedelt werden würden. Der englische Premierminister hat glaube ich vergessen, daß die Ostpreußen nicht ohne Gedächtnis ins Innere des Reiches vertrieben werden können. Die ostpreußische Landschaft würde ihr Kleid bleiben.

    Wer aber die Hand aufhebt gegen den deutschen Namen, der hebt die Hand auf gegen die Zukunft des Abendlandes. Wohl ist der unendliche Schatz der deutschen Städte von Freiburg bis Reval äußerlich so gut wie vertilgt. Aber nicht vertilgt ist das innere Bild, das nun als Sehnsucht und Schwur fortlebt. Wehe jedem Versuch, das Abendland gegen die Wahrheit dieses Bildes willkürlich zu formen. Ein jeder Versuch würde früher oder später in weiterem Blut und weiterem Unheil endigen.

    Wohl sind Millionen Deutscher vom Leben zum Tod gebracht worden oder in Rußland gefangen und weitere Millionen könnten auseinandergetrieben und getötet werden. Aber diese furchtbare Schwächung und Einbuße an einfacher deutscher Lebenskraft wird unentrinnbar aufgewogen werden durch die steigend machtvolle Erinnerung an die gigantische Tapferkeit in den Jahren 1914 bis 1918 und 1939 bis heute und bis zum Ende dieses Krieges.

    Diese Tapferkeit, die nicht rohe, animalische Tapferkeit ist, die vielmehr aus der Liebe zu diesem Dom, jenem Schloß, jener Grabstätte ihren Sinn nimmt, die stirbt nicht. Unsere Tapferkeit schuf uns eine Legende: einen Namen und ein Selbstbewußtsein, einen Missionsglauben für das Abendland, die durch keine noch so durchdachte antideutsche Entvölkerungspolitik jemals wird übertrumpft werden können.

    Und gebe es einst in Europa nur noch versprengte Haufen von Deutschen, diese Legende würde sie eines Tages wieder zur Nation sammeln und emportragen. Wir siegen – und das Abendland siegt mit uns – jetzt oder später!

    Diese Worte Professor Eduard Baumgartens zeigen fast seherische Qualität und viele seiner Befürchtungen sind schlimmer eingetreten als er es voraussah. Aber gleichzeitig machen sie uns Mut in seinem Urvertrauen auf deutsche Lebenskraft und geben Hoffnung, daß all die Ausrottungsbestrebungen am deutschen Volke scheitern werden!

    Die heutigen Königsberger sprechen von ihrem “Kenigsberg” und hoffen auf die Sanierung ihrer Stadt als Mitaustragungsort der anstehende Fußball-WM 1918. Es gibt sogar Pläne zum Wiederaufbau des Schlosses und so wurde vor kurzem eine Bronzeplastik der Innenstadt mit dem Schloß als Kernstück vor dem Dom eingeweiht.
    Ostpreußen ist nicht verloren!

    Quelle: http://www.hans-pueschel.de/zitate/hoff … ment-13701

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