Dramatische Flucht: Vor 70 Jahren ritten die Trakehner in den Westen

Nur insgesamt 27 Stuten wurden ein halbes Jahr vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges aus den Stallungen gerettet.

Image635491603382937035Neumünster | Das Ende einer Ära: Heute vor 70 Jahren, am 17. Oktober 1944, wurde das Hauptgestüt Trakehnen (gegründet 1731 von König Friedrich Wilhelm I.) in Ostpreußen vor der herannahenden Roten Armee evakuiert. Nur insgesamt 27 Stuten wurden ein halbes Jahr vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges aus den Stallungen gerettet.

Mensch und Tier flohen gen Westen. Viele von ihnen in langen Trecks durch Schnee und Eis über das zugefrorene Haff. Zu den Flüchtlingen gehörte auch Marion Gräfin Dönhoff (1909 – 2002). Die spätere Mitherausgeberin der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ wurde im Januar 1945 von ihrem Trakehner-Fuchs „Alarich“ von Preußisch Holland in siebenwöchiger Flucht bis nach Westfalen getragen. Von ihr stammt auch der Ausspruch: „Wer früher Trakehner geritten hat, der muss heute schon Porsche fahren, um das Niveau zu halten“.

Infolge des Kalten Krieges war auch Trakehnen abgeriegelt. Erst Anfang der neunziger Jahre durften Deutsche wieder in das seit 1945 von Rußland besetzte „Paradies der Pferde“ reisen.

„Ich kenne die Geschichte ja auch nur vom Hörensagen. Doch ich habe Trakehnen besucht. Man arbeitet dort zwar an den Gebäuden, aber es ist alles sehr verwahrlost und Pferde gibt es dort heute gar nicht mehr“, erzählte gestern Hans Werner Paul (76), Zweiter Vorsitzender des Trakehner Verbandes.

Insgesamt waren von der zur Blütezeit Ostpreußens bestehenden Trakehner-Population von 25 000 Stuten und 1200 Hengsten nach dem Krieg nur noch 1500 Pferde übriggeblieben. Dass die Trakehner überlebten und heute weltweit in zehn Organisationen gezüchtet werden, ist dem Umstand zu verdanken, dass die Menschen zwar ihr Zuhause verloren hatten, sich jedoch die tiefe Bindung an ihre Pferde bewahrten.

„Der Mythos der Rasse lebt, und der Verband arbeitet mit seinen strengen Zuchtregeln daran, dass ihr die nachgesagte Härte des intelligenten, belastbaren Militärpferdes nicht verloren geht“, erklärte Petra Wilm als Vorsitzende des Verbandes. Bereits 1947 wurde in Hamburg der Trakehner Verband gegründet. Die ersten Reitpferdeauktionen fanden dann in den 50er Jahren statt.

Zum 1. Trakehner Hengstmarkt im Jahr 1963 mit 13 Hengsten kamen rund 100 Besucher nach Neumünster. Der Verband hatte damals rund 1000 Mitglieder und zählte 835 eingetragene Stuten.

Heute ist der Trakehner Hengstmarkt ein Großereignis, und rund 20 000 Besucher aus aller Welt machen sich regelmäßig auf den Weg in die Pferdestadt Neumünster. Mittlerweile engagieren sich im Verband weit mehr als 4000 Mitglieder, und der Bestand an eingetragenen Stuten ist auf 3200 Tiere angewachsen.

Tagged , , , . Bookmark the permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.