Wolfskinderkreuz wiedererrichtet

Das erneuerte Denkmal in Pogegen erinnert an die ostpreußischen Waisen in Litauen

Unter dem Kreuz: Die Pfarrer Virginius und Vitautas (v.l.)

Bei einem Besuch im vergangenen Jahr beim Denkmal für die sogenannten Wolfskinder in der am Nordufer der Memel gelegenen Stadt Pogegen [Pagegiai], Kreis Tilsit-Ragnit wurde Wolfgang von Stetten von dem Wolfs­kind Bronius Dapkus, der die Anlage seit zwei Jahrzehnten pflegt, und der Vorsitzenden des Vereins Edelweiß, Luise Kazukauskiene (Luisa Quitsch), darauf hingewiesen, dass das 1992 errichtete Holzkreuz wegen Morschheit umzustürzen drohte.
Um eine lange Haltbarkeit zu garantieren sollte das neue Kreuz aus einer Eiche in einem Stück sein und auf ein entsprechendes Fundament aufgestellt werden. Ein Baum wurde gefunden, ein Schreiner zeigte seine Fertigkeiten und so konnte die Familie Dapkus mit vielen Helfern das Kreuz wieder errichten. Das Vorhaben wurde durch eine Sonderspende finanziert.
Von Stetten, der seit 1992 – zunächst als Abgeordneter des Deutschen Bundestages, später als Honorarkonsul – die Wolfskinder betreut und unterstützt, legte Wert darauf, dass aus diesem Anlass auch dem litauischen Volk gedankt werde, welches das Überleben von Tausenden von Wolfskindern ermöglicht hat. Deswegen sollte das neue Kreuz auch nicht schwarz sein, sondern seine helle Naturfarbe behalten. Es gab viele grauenhafte Schicksale, aber eben auch die Barmherzigkeit vieler Litauer, die oft ihr eigenes kärgliches Brot mit den Wolfskindern teilten.
Die Tafel am Kreuz trägt auf Deutsch und Litauisch die Inschrift: „Wiedererrichtet 31. Mai 2014 / Mit großem Dank an die Litauer, die nach 1945 tausenden deutschen ,Wolfskindern‘ das Leben retteten. / Prof. Dr. Wolfgang Freiherr von Stetten / Honorarkonsul der Republik Litauen“.
Fast alle in der Republik Litauen lebenden Wolfskinder und einige aus der Bundesrepublik Deutschland waren zur festlichen Einweihung gekommen, um gemeinsam mit einer Gruppe aus Unterstützern der Residenz Schloss Stetten das Ereignis mitzuerleben. Der örtlich zuständige katholische Pfarrer Virginius wurde unterstützt von dem Sohn des Wolfskindes Christel Veprauskas, dem katholischen Pfarrer Vitautas. Die evangelische Seite wurde vertreten durch Pfarrer Wolfram Löbner aus der Schweiz.
Luise Kazukauskiene dankte in bewegten Worten für die Hilfe aus der Bundesrepublik und die Mittel zur Wiedererrichtung des Wolfskinderkreuzes. Der Direktor der Selbstverwaltung von Pogegen, Einikes, erinnerte wenige Kilometer von der Grenze zur Russischen Föderation entfernt an die erneute Sorge der Litauer vor russischer Gewalt.
Über die Stauder-Stiftung sammelt von Stetten die eingehenden Spenden, verwaltet unter anderem. den Nachlass von Klara Kraft geborene Kierspel und kann derzeit die Wolfskinder mit 150 Euro (zirka 500 Litas) pro Monat unterstützen. Damit können sie ihre kärglichen Renten aufbessern und in Würde ihren Lebensabend verbringen. Dies auch deswegen, weil sie von der Landsmannschaft Ostpreußen sowie örtlichen Vereinigungen und Privatpersonen, die aus Ostpreußen stammten, unterstützt werden. Als Dank dafür wurden zwei Bäume gepflanzt, welche die Gedenkstätte bereichern sollen und an die Spender erinnern.
Gemeinsam mit den Bewohnern der Residenz Schloss Stetten feierten die Wolfskinder im nahe gelegenen Lokal Griežpelkiai bis in den Abend hinein. Dabei wurde viel über die Vergangenheit gesprochen. Von Stetten bat die
Wolfskinder, doch einmal das positivste Erlebnis in Litauen zu Papier zu bringen, damit neben den einzelnen schweren Schicksalen auch die Bedeutung der Hilfe des litauischen Volkes zum Ausdruck gebracht werde. Diese Erlebnisse sollen dann in Buchform erscheinen.

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One Response to Wolfskinderkreuz wiedererrichtet

  1. Margot Gerlach says:

    Ich habe erst seit kurzer Zeit vom Schicksal der Ostpreußen Kinder erfahren. Ich selbst bin oder wäre vielleicht auch so ein Kind geworden. D.h. bin aus Königsberg und wurde evtl. zur Kinderlandverschickung nach Fürstenwalde gebracht. Alleine und 9jährig. Furchtbar, furchtbar war die Flucht von Königsberg. Und es berührt mich noch heute mit Mitléid mit diesen Kindern , heute Erwachsene, und Tränen in meinen Augen.Dank auch an alle Letten. Eine Königsbergerin. M. Gerlach Ich meine natürlich auch die Litauer. Herzlichst

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