Erinnerung an die deutsche Stadt Küstrin

KüstrinSchon in der Bronzezeit besiedelten Indogermanische Stämme einzelne Sandinseln im Oderbruch. Das Gebiet des heutigen Küstrin/Kostrzyn war seit dem 2. Jahrhundert vor Chr. von Germanen und nach der Völkerwanderungszeit im 6. Jahrhundert auch von Slawen besiedelt.

1261 wurde es als Küstrin Stadt erwähnt. Im selben Jahr kam es auch zur  Markgrafschaft Brandenburg. 1535 wurde die Stadt vom Markgraf Johann von Brandenburg-Küstrin (auch bekannt als Hans von Küstrin) zur Residenzstadt erhoben. Er ließ den Ort vergrößern, neu gestalten und mit Festungswerken umgeben. Es wurde das Schloss erbaut und die Stadt bis 1568 zur Festung ausgebaut. Den ersten Plan der Festung entwarf 1535 der Ingenieur Maurer in altitalienischer Art mit fünf Bastionen und Kavalieren, jedoch ohne Raveline. Der Bau der Erdwälle dauerte von 1537 bis 1543. Der Umbau in Backstein erfolgte von 1557 bis 1568. Die Bauleitung übernahm ab 1562 der italienische Ingenieur Giromella. Markgraf Johann von Brandenburg-Küstrin konnte das umfangreiche Befestigungswerk nicht zum Abschluss bringen.

WallanlagenDie Garnison prägte die Stadt seit 1641 als der große Kurfürst Friedrich Wilhelm das brandenburgisch-preußische Heer ins Leben rief. In den Jahren von 1640 bis 1688 wurde Küstrin dank der Garnison und dessen Lage zu einer der stärksten Festung der deutschen Staaten ausgebaut.

Einen Aufschwung erlebte Küstrin 1857 durch den Anschluss an die Eisenbahnstrecke der Preußischen Ostbahn, die nordwestlich der Festung die Oder überquerte. Die Stadt dehnte sich östlich der Festung/Altstadt um die Neustadt aus und entwickelte sich wegen der hier zusammentreffenden Straßen-, Schienen- und Wasserwege zu einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt, unter anderem an der wichtigen Reichsstraße 1 (Aachen – Berlin – Küstrin – Königsberg).

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die meisten militärischen Einrichtungen demontiert. Im Zuge der Wiederaufrüstung des Deutschen Reiches wurden nach 1933 zahlreiche Militärbauten neu errichtet. 1939 zählte Küstrin noch 24.000 Einwohner.

In den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs beeinflußten vier Faktoren entscheidend den Untergang der damals unzerstörten, kleinen deutschen Industrie- und Garnisonsstadt, die beiderseits der Warthemündung in die Oder lag:

1.Teil der deutsch-sowjetischen Front zu werden, an der sich die größten und blutigsten Schlachten des Krieges abspielten.

2.Seine Bedeutung als Eisenbahn- und Straßenknoten.

3.Ein wichtiges Bollwerk der letzten deutschen Front vor der Reichshauptstadt Berlin zu werden.

4.Das Verhalten der Roten Armee gegenüber der deutschen Zivilbevölkerung, das durch seine Unmenschlichkeit den deutschen Widerstand zusätzlich motivierte. (Innerhalb Ostdeutschlands erlitt Ostbrandenburg prozentual die höchsten Bevölkerungsverluste!)

Als der Sturmlauf der sowjetischen Armeen an der brandenburgischen unteren Oder Anfang Februar 1945 sein Ende fand, begann hier ein 10 Wochen dauerndes Ringen. Es endete am 14. April mit dem russischen Aufklärungsangriff zur Schlacht um die Seelower Höhen, einer Teiloperation der Schlacht um Berlin.

AltstadtIn der Zwischenzeit versuchte die Rote Armee, geeignete Ausgangsstellungen für diese Großoffensive zu erkämpfen, womit die Bildung eines durchgehenden Brückenkopfes in operativer Tiefe westlich der Oder zwischen Frankfurt und Wriezen gemeint war.

Die deutsche Wehrmacht bemühte sich um die Vereitelung dieses Zieles. Sie wollte die Ausdehnung der gegnerischen Anfangsbrückenköpfe verhindern, sie sukzessiv einengen, nach Möglichlichkeit sogar zerschlagen und damit das Westufer der Oder auf der gesamten Länge wieder unter deutsche Kontrolle bringen. Dazu stützte sich das hier befehlsführende Armee-Oberkommando 9 auf zwei eigene Brückenköpfe auf dem Ostufer, auf Frankfurt im Süden und das etwa 30 Kilometer stromabwärts liegende Küstrin im Norden. Beide Städte waren in der letzten Januardekade zu Festungen erklärt worden.

 

Bei Kriegsende waren die Gebiete östlich von Berlin und somit auch Küstrin in sowjetischer Hand. Gemäß dem Potsdamer Abkommen wurden die Gebiete östlich von Oder und Lausitzer Neiße unter Einschluss des östlich der Oder gelegenen Küstriner Stadtgebietes Polen zur Verwaltung zugesprochen und die Stadt in Kostrzyn (seit 2004 Kostrzyn nad Odrą) umbenannt.

Die verbliebene deutsche Bevölkerung wurde anschließend aufgrund der sogenannten Bierut-Dekrete von deen polnischen Verwaltungsbehörden in Richtung Westen vertrieben.

„Nichts ist geregelt, was nicht gerecht geregelt ist.“ Abraham Lincoln

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