Surminski: Stimme für Ostpreußen

Arno Surminskis Roman „Jokehnen“ ist bis heute das Standardwerk zur ostpreußischen Heimatflucht nach 1945. Der Autor schaut nun zurück auf die Wirkungsgeschichte des Bestsellers.

BImage635236759797494865ücher über Bücher sind stets ein Wagnis und fast immer schlecht, besonders wenn sie vom Autor selbst stammen. Im nächsten Jahr nun jährt sich nicht nur Surminskis Geburtstag zum achtzigsten Male, auch sein bis heute meistgelesenster Roman Jokehnen oder Wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland? feiert sein vierzigjähriges Jubiläum. Ein guter Anlaß also für eine Wiedervorlage.

Nachdem sich Surminski in den letzten Jahren an für ihn eher genrefremden Themen abarbeitete, kam er letzthin auf sein Lebensthema Ostpreußen zurück. Wie kein anderer steht er für das Wachhalten der Erinnerungen tausender Ostpreußen, die mit ihm aus den Städten und Dörfern dieses verlorenen Landes flohen. Surminskis Bedeutung gründet in seinem europäischen Denken, seinem schnörkellosen und niemals anklagenden Stil und seinem persönlichen Einsatz und Rückrat, das Thema Flucht und Vertreibung charmant gegen jeden politischen Gegenwind zu verteidigen.

Die starke Stimme der Vertriebenen

In seinem neusten Buch Jokehnen oder Die Stimmen der Anderen hat Arno Surminski sich der „fünfzig Aktenordner mit Leserbriefen“ angenommen, die ihm seit dem Erscheinen seines Hauptwerkes aus aller Welt gesandt wurden. Mit großem Können verwebt er auf knapp zweihundert Seiten den Facettenreichtum der Briefwechsel – zumeist von Geflohenen verfaßt – mit seiner eigenen Biographie: dem bis heute anhaltenden Forschen nach allem, was mit dem frühen Tod seiner Eltern und seiner Heimat in ihm wachgeblieben ist. So entsteht nicht einfach ein Buch zum Buch, wie das sprichwörtliche Buch zum Film, vielmehr ist es Surminski gelungen, drei Erzählstränge zu verweben, nämlich die Entstehungsgeschichte von Jokehnen mit seiner Biographie und den Lebensgeschichten seiner Landsleute, in deren Namen er das Buch vor über vierzig Jahren schrieb.

Mit Jokehnen oder Die Stimmen der Anderen hat sich Arno Surminski trotz seines hohen Alters wieder als stärkste und ernstzunehmendste Stimme der ostpreußischen Vertriebenen zu Wort gemeldet. Für den Leser läßt er den Chor seiner Leidensgenossen erklingen, in der er selbst der behutsame Dirigent ist. Besonders vor dem Hintergrund, daß diese Stimmen aufgrund ihres Alters mehr und mehr verstummen, kann seine Leistung nicht genug gewürdigt werden.

Arno Surminski: Jokehnen oder Die Stimmen der Anderen. 192 Seiten, Ellert & Richter Verlag 2013. 19,95 Euro.

Quelle: BN

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