Gründer und Ehrenvorsitzender der AGMO e.V. feiert 70. Geburtstag

Image635191803249967735Die AGMO ist die Gesellschaft zur Unterstützung der Deutschen in Schlesien, Ostbrandenburg, Pommern, Ost- und Westpreußen. Ihr  Gründer und Ehrenvorsitzender feiert seinen 70. Geburtstag! Wir gratulieren herzlich und danken für die geleistete Arbeit! 

Es war kein einfaches Los, welches das Schicksal Peter Oprzondek, dem Sohne eines oberschlesischen Bergmanns zugedacht hatte. Geboren am 4. November 1943 in Hindenburg wuchs Peter Oprzondek nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zunächst im unter polnischer Verwaltung stehenden Oberschlesien auf. Aufgrund des Fachkräftemangels in der kommunistischen Diktatur der Volksrepublik Polen nach 1945 wurde der Vater gezwungen, unter unsäglichen Bedingungen in den Bergwerken Oberschlesiens zu arbeiten.

Offenherziges Bekenntnis zur deutschen Identität

Peter Oprzondek versteckte sein Deutschtum nie. Auch zu Zeiten als es bei Gefängnisstrafen, Geheimdienstverhören und Schlimmerem verboten war, die deutsche Sprache selbst im privaten Umfeld zu verwenden, bediente er sich ihrer auch auf offener Straße unüberhörbar. Die fast schon zwangsläufig folgenden körperlichen Auseinandersetzungen mit Mitschülern des Hindenburger Technikums waren dabei noch fast die geringste zu tragende Konsequenz.
Als er erkannte, dass eine freie Entfaltung seiner ihm von Haus aus mit auf den Lebensweg gegebenen kulturellen und nationalen Identität in einem zur Volksrepublik Polen gehörenden Oberschlesien nicht möglich sein würde, entschloss er sich mit einigen Freunden 1966 zu einer ebenso abenteuerlichen, wie auch gefährlichen Flucht aus der zum Gefängnis gewordenen Heimat. Auf vielen Umwegen ging es über das ehemalige Jugoslawien, Italien und Österreich in die Bundesrepublik Deutschland.

Welch eine weitere große Herausforderung stellte sich ihm jedoch dort: Auch wenn in der Familie stets Deutsch gesprochen wurde, so mussten Defizite der Sprachbeherrschung in Kursen aufgearbeitet werden. Das Ingenieurstudium an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) zu Aachen, war aufgrund der ohnehin schon komplizierten Fachsprache eine doppelte Herausforderung, die er jedoch mit Fleiß und Strebsamkeit hervorragend meisterte.

Vorreiterrolle bei Menschenrechtsarbeit in der (Volks-)Republik Polen

Im Laufe der Jahre in Westdeutschland wurde immer deutlicher, dass der spezifische menschenrechtliche Aspekt in der Arbeit der deutschen Vertriebenen weit mehr herausgestellt werden musste, als das bis dato der Fall war. Große, weltweit operierende Menschenrechtsorganisationen berichteten gar nicht über die Lage der Deutschen in der kommunistisch regierten Volksrepublik Polen. Anders jedoch konnte effektiv Hilfe für die in der Heimat verbliebenen Deutschen nicht möglich sein. So gründete er gemeinsam mit Hartmut Koschyk – heute Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium – die AGMO, „Arbeitsgemeinschaft Menschenrechtsverletzungen in Ostdeutschland“, in der Schlesischen Jugend. Ende 1985 kam es in der Volksrepublik Polen im Untergrund zur damals illegalen Gründung des Deutschen Freundschaftskreises (DFK). Dieser Schritt wurde durch die AGMO maßgeblich vorbereitet und in die Wege geleitet. Nach dem Vorbild von Amnesty International klärte die spätere AGMO e.V. – 1990 erfolgte die die Eintragung in das Vereinsregister – die bundesdeutsche Öffentlichkeit erstmals umfassend über das Schicksal der Deutschen in der Volksrepublik Polen auf. Die Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ skizzierte am 05.10.1990 die „Wild Ost Truppe“ um Peter Oprzondek als „ein Häuflein junger, beinharter Kämpfer, das ausgezogen war, hinter den feindlichen Linien die Unterdrückungsmethoden aufzudecken“.
Seit ihrem Bestehen hat die AGMO e.V. immer wieder in einer Vorreiterrolle für die Gewährung umfassender Minderheitenrechte für die deutsche Volksgruppe in der Republik Polen richtungweisend agiert. Neben der politisch-konzeptionellen Arbeit lag für Peter Oprzondek der Schwerpunkt immer auf der konkreten, tatkräftigen Hilfe. Die AGMO e.V. nahm dabei eine entscheidende Position in Westdeutschland ein.

Neue Zeiten – Neue Herausforderungen

Entsprechend den Anforderungen änderte sich die Ausrichtung. An die Stelle der Einzelschicksalsbetreuung für die deutschen Landsleute trat nach der gesellschaftspolitischen Wende 1989 die finanzielle und materielle Unterstützung der allerorten entstandenen Ortsgruppen des Deutschen Freundschaftskreises. Ein kurzerhand in Groß Strehlitz eingerichtetes Büro koordinierte den bereits im Untergrund begonnenen Aufbau der Verbandsstrukturen und ist bis heute Garant für die Arbeit vor Ort.
Auch diese Präsenz gab den Heimatverbliebenen das Gefühl, „zu wissen, dass es mit der AGMO e.V. in Westdeutschland eine Gruppe gab und gibt, der man immer vertrauen konnte. Das war ein starker moralischer Rückhalt. Ihr habt es immer ehrlich mit uns hier gemeint. Ihr habt uns nie instrumentalisiert“, betonen noch heute Volksgruppenvertreter.

AGMO e.V. unter Peter Oprzondek – Einzig, nicht artig

Dass es mit der AGMO e.V. eine Organisation gibt, die sich seit Jahrzehnten konzeptionell folgerichtig, konsequent und glaubwürdig für die deutsche Muttersprache in der Republik Polen einsetzt, ist das Verdienst von Peter Oprzondek. Ob etwa die Frage der Einrichtung „echter“ deutscher Vor- und Grundschulen für die Kinder der deutschen Volksgruppe ohne seine Arbeit überhaupt noch ein Thema politischer Gespräche wäre, darf bezweifelt werden. Gegen politische Angriffe, und verbunden mit großen persönlichen Opfern, verfolgte er den Auf- und Ausbau der AGMO e.V., so dass dieser Verein heute als eine selbstständige, von staatlicher Förderung gänzlich unabhängige, gemeinnützige Menschenrechtsgesellschaft arbeitet. 
Es zeichnet Peter Oprzondek besonders aus, dass er im Jahr 2011 ganz bewusst die Verantwortung für die AGMO e.V. in jüngere Hände legte und seit April 2011 Ehrenvorsitzender der AGMO e.V. ist. So stellte er sicher, dass weiterhin auf Benachteiligungen der Deutschen in der Republik Polen aufmerksam gemacht und durch konkrete Projektarbeit für Abhilfe gesorgt wird. Die AGMO e.V. wird auch zukünftig klar und ohne Abstriche für die Minderheitenrechte der deutschen Volksgruppe in der Republik Polen eintreten.

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One Response to Gründer und Ehrenvorsitzender der AGMO e.V. feiert 70. Geburtstag

  1. Susanne Brock says:

    Herzlichen Glückwunsch zum 72. Geburtstag mit lauter guten Wünschen für Gesundheit, Wohlergehen und Zufriedenheit. Freundliche Grüße

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