Der Tod raste durchs Sudetenland

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Auch fast 70 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg ist das EU- Mitglied Tschechien im Bezug zur Aufarbeitung der eigenen Verbrechen, weder moralisch noch rechtlich auch nur einen Schritt weiter gekommen. Ähnlich wie im Nachbarland Polen lehnt man die Verantwortung für Raubmord, Folterungen, Massen- Exekutionen, Vergewaltigungen, der Infizierung mit tödlichen Krankheiten und der Förderung des Verhungernlassens deutscher Zivilisten bzw. Sudetendeutscher nach wie vor ab, bestreitet derartige Verbrechen sogar.

Bis heute gab es weder eine Enschuldigung noch eine Enschädigung für die Opfer von blutrünstigen Monstern in perverser Siegerstimmung. Die damaligen Täter haben derweil nichts zu befürchten, denn entweder leben sie bereits garnicht mehr, oder man findet sie einfach nicht, nachdem eine deutsche Staatsanwaltschaft um Amtshilfe gebeten hatte. Hinzu kommen noch die üblichen weiteren Verschleierungsmethoden örtlicher Behörden, was dem internationalen Beobachter beweist, wie wenig sich die Moral im Lande seit dem Kriege geändert hat.

In den ersten Wochen und Monate nach dem Ende des Krieges, also in der Zeit der sogenannten “wilden Vertreibungen”, als man die ethnischen Deutschen in verschiedenen Teilen der Tschechoslowakei jagte, in Lagern und Gefängnissen internierte und dann nach Gutdünken ermordete oder in Todesmärschen an die Grenzen nach Deutschland oder Österreich führte, kam es zu unzähligen Einzel- und Massenverbrechen an Deutschen jeglichen Alters. Der Krieg war vorbei und viele Menschen aus und Ost- und Mitteleuropas sahen sich nun unter dem Schutz der Allierten befähigt, ihren bis dahin fehlenden persönlichen Sieg durch Raub, Mord, oder Schändigung an meist deutschen Zivilisten schnell noch nachzuholen. Oft waren, Jäger, Richter und Henker ein und dieselbe Person.

Niemand konnte wirklich sagen, warum an jenem verhängnisvollen Tag im Sommer 1945, neben den vielen Männern auch fünf minderjährige Jungen standen. Einige dachten, dass sie hungrig waren, andere, dass sie versucht hatten zu fliehen. Sie hiessen Horst, Eduard, Hans Walter und Heinz. Der jüngste war gerade einmal 12 Jahre alt, als ihn dann die erste tschechische Kugel in der Brust traf. Den Schmerz spürte er kaum noch, denn er war bereits vor dieser Schussverletzung brutalst zusammengeschlagen worden. Er starb auch nicht sofort sondern taumelte auf seinen Mörder zu und bettelte zu seiner Mutter zu dürfen, doch der grausame Schütze hatte kein Erbarmen mit dem Kind und drückte nochmals ab. Auch das Sterben der anderen Kinder und Erwachsenen dauerte lange, vom 3. bis 7. Juni 1945, denn die Mörder hatten nur Gewehre und keine Maschinenpistolen – erinnert sich 80-jährige Heinrich Giebitz an den Beginn des Massenmordes an Deutschen in Postelberg.

Spricht man von den Massakern des sudetendeutschen Ortes Postelberg, so trifft man sowohl in Tschechien als auch in Deutschland oft auf eine Mauer des Schweigens. Über 800 Deutsche wahren hier nach dem Zweiten Weltkrieg ermordet, unzählige weitere Opfer gefoltert worden. Am 3. Juni wurde nun ein Denkmal eingeweiht, das den unschuldigen Opfer gewidmet ist.

Doch schon der auf einer Kupferplatte eingravierte Text bleibt vage. „Den unschuldigen Opfern der Ereignisse in Postelberg im Mai und Juni“ steht dort geschrieben. Selbst dieser Text war in der Gemeindevertretung des Orts hart umkämpft. Das es auch noch im Juni Morde an Deutschen gab, war erst nachträglich hinzugefügt worden.

„Er wollte uns schonen“, erinnert sich Josef Pipping an die damalige Begegnung mit Putz. Ihn und seine drei Geschwister, die die Details jener grausamen Ermordung nicht erfahren sollten. „Sich daran wieder zu erinnern, das tut weh“, sagt Josef Pipping heute mit leiser Stimme. Er ist inzwischen 77 Jahre alt und lebt im bayerischen Dietenheim in der Nähe von Ulm. Es ist die Erinnerung an die Zeit zwischen 1945 und 1946, die schmerzt. Die Zeit, als Deutschland in Trümmern lag. Erobert, besetzt, besiegt und von der Welt für schuldig befunden.

Fünf Tage lang folterten und mordeten im Juni 1945 Soldaten des tschechoslowakischen 1. Armeekorps im Blutrausch die männlichen Deutschen in Postelberg. Ihr jüngstes Opfer war 12 Jahre alt, das älteste 60. Am Sonntag dem 3. Juni 1945 hatten Soldaten in Saaz etwa 5000 deutschstämmige Männern auf dem örtlichen Marktplatz zusammengetrieben, die dann unter Drohungen, Schlägen und Schüssen ins 15 Kilometer entfernte Postelberg marschieren mussten. Behördlich bekannte Zeitzeugen berichten, dass nach den verschiedensten Demütigungen und Folterungen alle Wertsachen der Deutschen in Kisten gesammelt wurden. Dienstagnacht konnte man dann eine Kolonne beobachten können, die zum Erschießen geführt wurde. Es blieb nicht die einzige und später tötete man auch am Tage.

Planmäßig und zielstrebig wurden die meisten von ihnen erschossen. Viele nahe der Kaserne, andere bei der örtlichen Schule. Das größte Massengrab mit knapp 500 Leichen fand sich später in dem abseits der Stadt gelegenen Fasanengarten, einer früheren Fasanerie. Nach Aussagen eines tschechischen Zeugen im Jahre 1947, stapelte man man immer jeweils 250 Tote in Massengräbern übereinander, “die Hinrichtungen fanden nicht in einer Nacht statt, sondern schrittweise, denn oft mussten die Opfer ihr Grab mit Hacke und Schaufel selbst ausgraben”. “Je weniger von ihnen übrig bleiben, umso weniger Feinde werden wir haben” – hiess die Anweisung aus Prag woran sich jeder Verantwortliche auf seine Art hielt.

Die mörderischen ethnischen Säuberungen, Folterungen und Raub durch Tschechen an Deutschen wurden nie bestraft. Im Falle des Genozides von Postelberg, sah sich das Parlament in Prag zwar ausnahmsweise mal veranlasst im Juli 1947 eine Untersuchungskommission an den Ort des Massakers zu schicken. Unter größter Geheimhaltung wurden dann einige der Massengräber geöffnet, 763 Leichen herausgehoben und dann würdelos verbrannt. Jedem war klar, dass natürlich nicht alle Opfer gesucht und gefunden worden waren. Das gesamte Untersuchungsergebnis wurde verschwand dann als “Geheimsache” in den Archiven des Prager Innenministeriums. Deutsche Anfragen und Versuche, das Massaker von Postelberg auch juristisch aufzuarbeiten, waren jahrzehntelang erfolglos geblieben. Erst als ein Staatsanwalt aus der grenznahen bayerischen Stadt Hof im Jahre 2007 sich ein Herz fasste und wegen der getöteten fünf Jungen seine tschechischen Kollegen um Amtshilfe bat, liefen ernsthafte Ermittlungen an.

Nach dem Ende des Kommunismus stiess zufällig der tschechische Journalist David Hertl Mitte der neunziger Jahre auf Spuren des Massakers von Postelberg. Bei der Befragung der heutigen Bewohner des Ortes kam ihm Argwohn und Misstrauen entgegen. Doch als er nach den “Deutschen” fragte, sagte man ihm, dass sie doch im Fasangarten “verendet” seien. Die Nachkriegsbewohnern von Postelberg waren vom Auftauchen des Journalisten natürlich kaum begeistert, denn sie lebten schliesslich nun in den Wohnungen und Häusern der getöteten- und vertriebenen ehemaligen deutschen Bewohner. Ähnlich wie in Polen, hatten viele Tschechen sogar mit den Nazis kollaboriert, um sich dann zum Ende des Krieges zu den Häusern der deutschen Zivilisten in ihrer Region gewaltsam Zugang zu verschaffen, wobei sie nicht selten in ihrer Grausamkeit alle bekannten Greuel noch übertrafen. Nur zwei der Täter von Postelberg wurden von den tschechischen Ermittlungsbehörden zuletzt namentlich für das Massaker verantwortlich gemacht, beide Mörder leben schon lange nicht mehr und so bleiben die Morde von Postelberg ungesühnt.

Von Staats wegen war das Schweigen über die tschechischen Kriegs- und Nachkriegsverbrechen angeordnet. Auch in Polen, wo schon seit längerer Zeit mysteriöse deutsche Massengräber gefunden werden, ist Schweigen oberstes Gebot. Viele Leute haben einfach immer noch Angst die Wahrheit zu sagen. Der Journalist David Hertl wird seit seiner Veröffentlichung: ” Wo sind die Deutschen aus Postelberg” von Unbekannten bedroht. Ähnlich geht es auch Redakteuren von “Polskaweb”, die u.a. das Massengrab von Marienburg in Deutschland bekannt gemacht hatten. Über 2000 zivile deutsche Opfer, meist Frauen und Kinder, wurden hier in kürzester Zeit u.a. mit Baggern exhumiert. Auch hier taten die Behörden alles um die Umstände des Todes dieser Menschen zu verschleiern, hierzu gibt es ausreichend Indizien. Postelberg und Marienburg hatten zuletzt einen weltweiten Medienrummel ausgelöst, den die deutsche Regierung durch ihr Desinteresse an mysteriösen deutschen Massengräbern, dann zum Schweigen brachte.

Bundeskanzlerin Merkel hatte erst am 1. September 2009 auf der Danziger Westerplatte zu verstehen gegeben, dass die Opfer als Deutsche selbst Schuld an ihrem Tode hatten: “Alleine die Deutschen hatten die Schuld am Ausbruch des zweiten Weltkrieges und dessen Folgen”. Ein perfekter Persilschein für die Regierungen der Vertreiberstaaten, die sowieso immer noch die damaligen Vertreibungsgesetze (Bierut + Benes Dekrete), die zu Völkermord und unzähligen Einzel-Verbrechen führten (Sergej Ingr: “Schlagt sie, tötet sie, lasst niemanden am Leben.”, verteidigen und gutheißen. Überlebende und Angehörige sowie auch liberale Tschechen wollen den Opfern des Nachkriegs- Massenmordes von Postelberg ein Denkmal setzen, doch die heutigen Einwohner der Stadt wehren sich gegen einen solchen deutlichen Hinweis auf tschechische Verbrechen, in einem Orte, “wo die Deutschen nichts mehr verloren haben”. Die Regierungen in Prag und Berlin haben dafür Verständnis. Unabhängig von einer Gesamtbewertung der Ereignisse im Jahre 1945 im Sudetenland und Tschechien, ist das Massaker von Postelberg unzweifelhaft als Völkermord zu werten, denn hier mussten Menschen alleine wegen ihrer Volkszugehörigkeit sterben.

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